2026

Nordamerika - 21. Teil - Mexico

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01.04.2026 - 18.04.2026

Santa Maria de Tule verlassen wir nicht ohne den vermutlich ältesten Baum Mexikos zu besuchen. Es gibt über ihn die folgenden Eindrücklichen Daten: Zypresse, über 2000 Jahre alt, Höhe 42 Meter, Umfang 58 Meter. Viele Indigene halten Ihn für Heilig. Die kath. Kirche nutzt dass und hat eine Kapelle mit Maria daneben aufgestellt. Wem huldigen die Pilger? Danach Weiterfahrt ins Städtchen Mitla. Die Tempelanlagen wurde um 100 von den Zapoteken erbaut und wiederum von den Mixteken übernommen. Ihnen wird auch die farbige Stuckverzierung an den Tempeln zugeordnet. Erst 1494 eroberten die Azteken die Anlage und nannten sie Mictlan, Stadt der Toten. Ungeklärt ist der Grund. Wegen der vielen Toten bei der Eroberung oder wegen den schön ausgebauten Gräbern unter den drei Tempeln? Der farbige Stuck und der Anstrich der Wände machte die schönste Tempelanlage aus. Bis 1590 die Spanier in der Anlage und mit deren Steinen die heutige Kirche erbauten. 1901 stoppten dann Archäologen den Raub an den Tempeln, 2009 fanden US-Archäologen noch ein unversehrtes Grab mit 21 Personen und entsprechenden Beigaben aus dem Jahr 500, mit einem schönen Jaguar aus Stein. Die gut ausgebaute Mautstrasse Mex 190 bringt uns zügig nach Albarradas wo die Piste nach Hierve el Agua abzweigt. In einem Weiler wird noch nach alter Weise der Agaven Schnaps gebrannt. In der Umgebung sind noch viele Familien mit dem Schnaps brennen für die Touristen beschäftigt. Für uns hat es den Vorteil, dass wir den genauen Vorgang in Life gezeigt bekommen. Am meisten erstaunt hat uns, dass die Agave 8- 10 Jahre bis zur Reifung benötigt. So ist es durchaus möglich, dass ein guter Schnaps vom Setzling bis in die Flasche 15 Jahre benötigt. Sehr bedenklich ist die Abhängigkeit vieler Kleinbauern vom pflanzen der Agave. Hinter dem langgezogenen Dorf Hierve el Agua, in einem Naturpark der Gemeinde, kommen die eindrücklichen Wasserfälle in Sicht. Kleine Quellen mit sehr kalkhaltigem Wasser sind verantwortlich für die schönen und beeindruckenden Kalkgebilde, die an den Felsen hinunter «wachsen». Im Wasser wird mit Genuss gebadet, der Kick sind aber die «Fälle» die auf verschiedenen Wegen zu besichtigen sind. Anstrengend sind sie alle und wir sind froh um unsere Wanderstöcke. Richtig toll ist unser Übernachtungsplatz, über den Felsen mit einer Grandiosen Aussicht.

Das Erwachen über den Felsen ist super. Es wird von einem Sonnenaufgang mit besonderer Geräuschkulisse begleitet. Vögel, Esel, Kirchenglocken und Güggel krähen untereinander im Wettbewerb. Für mich ist der Esel der absolute Favorit, dicht gefolgt vom melodiösen Glockenspiel das leider wegen einer gesprungenen Glocke zurück fällt. Nach dem Frühstück geht es an die Schnellstrasse zurück. Das Navi verlangt die Rückfahrt nach Mitla um auf der normalen Strasse Tehuantepec zu erreichen. Dem will meine Logik nicht entsprechen, denn auf jedem Wegweiser an der Strasse ist Tehuantepec angegeben, ohne Umweg! So folgen wir der Logik und fahren auf der Schnellstrasse Südwärts. Nach etwa 30km, im tiefen Bergland, sind zwei rote Absperrblöcke auf der inzwischen fast verkehrslosen Strasse. So ein Blödsinn, dass wird sicher weiter gehen, Überzeuge ich Theres. Ein paar Kilometer weiter liegen erste Gesteinsbrocken und Erde auf der Strasse, dann sind Verbauungen stark beschädigt, das vorankommen wird immer schwieriger. Aber immer noch sind Fahrzeuge vor und hinter mir Unterwegs. Dann kommt halt der Punkt da die Strasse mit einem Schuttwal ganz gesperrt ist. Eine Gestalt in einer Öffnung der Leitplanke winkt uns von der Strasse und verlangt für die Weiterfahrt neben der Strasse 100 Peso Gebühr. Der Fahrer des folgenden Wagens nickt und meint OK, OK. Er zahlt das Geld und fährt auf der Piste weiter. So machen wir es ihm gleich und stürzen uns ins Abenteuer. Das findet nach dem durchfahren des Flussbettes ein schnelles Ende. Vor uns wieder eine Wasserpassage und dann ein starker Anstieg, der aber durch ein gestrandetes Fahrzeug blockiert ist. Jetzt stehen wir zu viert auf der kleinen Sandinsel im Flussbett und kratzen am Kopf. Die Mexikaner sind zuversichtlich dass es bald weiter gehen wird. Wir betrachten das geschehen im Anstieg und kommen zur Überzeugung, dass es für uns nun reicht. Das Inselchen ist gerade ausreichend zum wenden und dann geht es halt zurück. Schon kommen weitere Fahrzeuge, gut dass wir weg sind. Oben an der Strasse zieht die Gestalt eine Kette hoch und faselt etwas in den Bart, vermutlich will er schon wieder eine Gebühr. Jetzt gehen aber meine Pferde durch, stark aufs Gas und los geht es. Die Gestalt muss die Kette los lassen und wir Dampfen zweieinhalb Stunden zurück nach Tule auf einen Campingplatz, wo wir mit dem deutschen Betreiber über Navi Angaben klönen und ein feines Geburtstagsessen geniessen.. Leider liegt es sich nicht so toll wie über den Felsen, aber sicher.

Erneut nehmen wir die Fahrt nach Tehuantepec unter die Räder. Jetzt auf der alten, schmalen 190er durch das wilde Bergland. Eindrücklich und schön, aber es zieht sich! Durch Dörfer mit unzähligen Topes und über drei Gebirgsketten in spektakulären Auf- und Abfahrten. Im letzten Krachen, also fast überall, werden Agaven angebaut. Wenn wir auf 2000 MüM oder höher kommen, sind wir in lockerem Pinienwald mit Weidebetrieb. Dann die Abfahrt ins «warme Land» bis vor Tehuantepec. Weite Ebene mit Weideland und grossflächigen Getreideanbau. Bei Ixtepeca, auf einer Nebenstrasse erreichen wir Ojo de Agua, ein Bad mit sehr klarem Wasser aus den Bergen. Es hat sehr, sehr viel Betrieb und in den Badebecken ist kaum mehr Platz. Grosszügig lassen wir den Kindern den Vorzug ;-) Etwas abseits unter einer Akazie können wir Schatten finden. Überraschend erhalten wir Besuch von einer mexikanischen Familie die freudig winkend auf uns zukommt. Es ist der OK, OK Fahrer vom Vortag im Gewässer. Freudig erklärt er das gute weiterkommen aus dem Flussbett mit Hilfe seines Juniors mit englischen Brocken. Wir müssen erzählen wie es uns ergangen ist und sie wollen so einiges über uns Wissen. Der Junior scheint unser Radebrechen zu verstehen und wird es seinem Vater wohl erklärt haben, es ist ja nicht so einfach mit der Kanadanummer und Europa. Gut dass die Flussfahrerei für alle ein gutes Ende nahm.

Von Ojo de Agua geht es den ganzen Tag auf der Mex 190 Ostwärts, in einem weiten Bogen um den Golfo de Tehuantepec. Die Berge bringen Wasser in die Küstenebene und begünstigen eine intensive Landwirtschaft. Zwischen Niltepec und Zanatepec erstreckt sich ein Wind Park an den Nächsten, 40km weit. Es ist extrem schwül und heiss. Nach dem Queren der Provinzgrenze von Chiapas geht es etwas aufwärts in die Berge, schnell wird es erträglich. Das ist dann schnell wieder vorbei, als sich die Strasse hinunter in die Bergsenke der Provinzhauptstadt Tuxtla Guterrez neigt. Es ist gefühlt ein Neigen, denn es geht über Kilometer schnurgerade Abwärts in die Stadt. Wie gehabt in Mexiko, sie ist extrem Ausgedehnt und zieht sich ringsum an den Hängen in die Höhe. Hier in Chiapas erfahren wir die stärkste Polizei / Militär Präsenz. Vier verschiedene Fraktionen sind entlang der Strasse unterwegs, oft in gepanzerten Fahrzeugen. Es fühlt sich gar nicht gut an und wir beschliessen einen möglichst sicheren Platz für die Nacht zu finden. Das gelingt gut, im La Hacienda Hotel & RV Park Tuxtla. Besonders angenehm, der kleine kühle Pool!

Früh verlassen wir die Stadt nach Norden, hinauf in den Nationalpark Canyon del Sumidero, weit über 1000 Höhenmeter schraubt sich die Strasse durch den geschützten Wald. Wieder ist es erstaunlich wie die Flora der Höhe anpasst. Nach ca. 25km erreichen wir den letzten der drei fantastischen Aussichtspunkten. Sie geben den Blick frei auf die Felsenwände und den Fluss, eintausend Meter unter uns. Eindrücklich. Um unser Tagesziel San Cristobal de las Casas zu erreichen, müssen wir wieder die Stichstrasse hinunter nach Tuxtla fahren. Von da geht es auf einer neuen vierspurigen Schnellstrasse an den Fluss hinunter, über die neue Brücke. Von hier, Chiapas de Corso, geht es seitwärts dem Bergrücken entlang, 60km stetig aufwärts. Da kommen so einige Fahrzeuge ins schnaufen, auch neuere! Unserem Dodgli, und uns, gönnen wir einen Mittagshalt schön über dem weiten Tal. In kühler Höhe umschlossen von Nadelholzwäldern oder Avocado Plantagen liegt die alte spanische Stadt vor uns. Die 190er führt rechts als Umgehungsstrasse weiter, wir müssen aber die UNESCO geschützte Kolonialstadt durchqueren, Dass gelingt dank der schachbrettartigen Bauweise recht gut. Unter ausladenden Pinien können wir den schönen Platz im San Nicolas Park beziehen.

Erstaunlich wie sich die Schlafgewohnheiten der Höhe anpassen müssen! In Tuxtla, 250 MüM Schweissgebadet und hier in San Cristobal, 2100 MüM in der Kühle des Morgens unter zwei Wolldecken. Wobei letzteres einen sehr erholsamen Schlaf mit Pinienduft bedeutete. Wie bei uns, bleiben die Museen heute Montag geschlossen. Der Spaziergang zeigt uns einen lebhaften Ort mit vielen Marktständen von Indigenen, die von ausserhalb kommend und versuchen ihre Waren zu verkaufen.

Ausflug in das naheliegende Indigene Dorf Chamula. Es ist bekannt als religiöses Zentrum der Tzotziles, die sich gerne als direkte Nachkommen der Maya bezeichnen. Die religiösen Bräuche sind für Christen in der Tat seltsam, da aussenstehenden ein Beiwohnen verwehrt wird. Die Kirche kann gegen Gebühr besucht werden, aber es ist strickte verboten zu Fotografieren. Ich denke, sie haben die Kirche und einige Heilige übernommen um die spanischen Padres zufrieden zu stellen. Es wird aber weiterhin der alte Glaube praktiziert, mit vielen Zweigen und Gras am Boden, Weihrauch, Schnaps, Kerzen und Opfern von Federvieh… Ihre Elite baut sich quer durchs Land auch besonders geschmückte Häuser. Als Theres eines Fotografierte, wurde heftig protestiert und wir klopften die Socken. Auf dem Rückweg besuchen wir den Orchideenpark, angeblich mit hunderten unterschiedlicher Pflanzen. Wie so oft, der Park ist bis und mit den Picnict-Tischen gepflegt, was dahinter liegt ist wohl schon einige Jahre vergessen. Den Spaziergang durch die nicht auffindbaren Orchideen brechen wir ab. Da würde die Zeit noch gut ausreichen um die Kirche Santo Domingo zu besuchen. Auf den Strassen ist jedoch kaum ein durchkommen, alles ist mit Verkaufsständen verstellt und eine grosse anzahl Menschen haben sich heute zum Marktgeschehen eingefunden, diesen Besuch verschieben wir auf Morgen.

Heute Morgen um 8.30h können wir fast bis zum Platz vor der Santo Domingo Kirche fahren und parkieren. Die Kirche soll die schönste Barockfassade im ganzen Land haben. Deutlich zu erkennen, die zwei doppelköpfigen Adler der Habsburger. Zu ehren von König Karl I und Kaiser Karl V, beide auch spanische Regenten. San Cristobal verlassen wir auf der Mex 199 in Richtung Palenque. Bei der Polizeisperre am Stadtrand erkundigen wir uns über die Sicherheitslage Unterwegs. Der Offizier ist zuversichtlich, bis jetzt sei alles ruhig… Bis auf 2500 MüM geht es aufwärts in eine grüne, schöne Bergwelt mit viel Pinienwald. Überall werden Felder zur Saat vorbereitet, Kühe gehütet, Esel bepackt und gefühlt jeder zweite will etwas am Strassenrand verkaufen, eine friedliche Szene. In Ocosingo sind wir schon wieder 1000 Meter tiefer und in einer typischen Bergwelt unterwegs! Es ist sehr heiss und feucht, Kaffee und Bananenstauden prägen die Landschaft wie in den Tropen. Nicht einmal die gefühlt 1 Mio Topes können uns die Kurvenreiche Fahrt vermiesen ;-) Am späten Nachmittag kommen wir nach Agua Azul mit seinen romantischen Wasserfällen. Da müssen wir bezahlen: zuerst die Strassengebühr für die Gemeinde die wir jetzt verlassen?! 500 Meter weiter der Eintritt zu den Wasserfällen und eine Müllgebühr für die Indigene Gemeinde Agua Azul. Weiter um die Kurve der Kontrollposten der Gemeindepolizei, die kontrolliert die Belege… Desto Trotz, die Wasserfälle sind richtig schön anzuschauen! Happy sind wir auch, die örtliche Verkaufsmafia lässt uns auf dem Platz vor dem Basketball Spielfeld gratis Übernachten ;-)

OK, es war eine warme und feuchte Nacht, aber ohne Niederschlag. Dadurch sind die Wasserfälle heute deutlich «blauer». Die Verkaufsstrategen entlang des Flusses schaffen es heute, wir verlassen den Ort mit zwei Tischdecken im Gepäck. Na ja, anstelle von Campingplatzgebühren. Kurz vor erreichen von Santo Domingo de Palenque machen wir noch einen Besuch bei dem netten Misol- Ha Wasserfall. Im Ort füllen wir den Tank mit Benzin und Propan und auch der Kühlschrank kommt nicht zu kurz. 1980 hatte das Kaff gerade mal 5000 Einwohner, dann wurden die prächtigen Ruinen der Maya freigelegt und die Anerkennung der UNESCO folgte postum. Heute bemühen sich 130`000 begabte Bewohner den Touristen das Geld aus der Tasche zu ziehen. An der Strasse zu den historischen Stätten wollen wir auf einen Campingplatz. Mussten aber zu diesem Zweck ein Billett für den NP einlösen, drei Tage gültig. Das Billett für die Tempelanlage muss jeden Tag neu gekauft werden, also für heute reicht es nicht mehr. Die nächste Hürde, die Transportmafia, konnten wir noch gerade so abwehren, mit viel Geschrei und Diskussionen durften wir zum Campingplatz durchfahren. Dieser Platz war sehr schön bei der Eröffnung des NP, bis heute ist nichts, aber gar nichts mehr investiert worden, eine Zumutung! Zumindest die Natur zeigte sich von der besten Seite! Viele Vögel, Brüllaffen in den Bäumen und Kühe auf der nahen Weide ;-)

Wir sind die ersten an der Kasse für die historische Stätte. Dann nichts wie losgefahren um die Position zu halten. Ja von wegen, an der Zugangskontrolle werden wir abgewiesen. Es werden nur zugelassene Busse zur Anlage vorgelassen. Alles Diskutieren hilft nicht, wir müssen zurück auf den grossen Parkplatz und mit einem der massiv überteuerten Busse vorfahren. Diese Transportmafia hält alle Fäden in Händen und bestimmt vermutlich alles, auch die Preise der Andenkenverkäufer, Mafia eben! Dann endlich sind wir in der Tempelanlage und können staunend die Bauwerke auf uns wirken lassen. Die Bauwerke stammen aus der Zeit von 300 bis 900, die eindrücklichsten haben König Pacal und sein Sohn Chan Balum II Hinterlassen. Deren Schriften, in Steinstehlen gemeisselt, haben wesentlich zum Verständnis der Maya Kultur beigetragen. Auch zwei Regentinnen spielten eine grosse Rolle. 711 besiegte der Herrscher von Tonia die Palenqui und der letzte Datums Eintrag auf einer Stehle ist von 799. Danach wurde die prächtige Stadt wieder vom Urwald überdeckt. Dass sehr gelobte Museum hatte leider geschlossen, vermutlich feiert die Mafia gerade ihren Sieg in den Räumen… Unsere Weiterfahrt durch die tropische Landschaft vermochte uns erneut zu fesseln. Sogar an die Brüllaffen wurde an der Strasse gedacht und entsprechend Überquerungen ermöglicht. Haben wir doch nie angenommen das Mexiko auch ein Zucker und Palmölproduzent ist! Man sieht, Reisen bildet ;-)

Vom Jaguar Ecotouristen Center in Escarcega fahren wir nach einer guten Nacht weiter auf der Mex 261 in Richtung Campeche. Schon in Champoton kommen wir an den Golf von Mexiko, heute mit spiegelglatten Meer und natürlich sehr warmer Temperatur. Campeche erweist sich als sehenswerte Kolonialstadt, die einzige in Mexiko mit noch erhaltenen Teilen der Stadtmauer und den sieben Bastionen. Diese sollten die Schätze der spanischen Krone vor den Piraten schützen. Nur einer knackte die Festung, Sir Francis Drake für seine geschätzte Elisabeth die I. Erstaunlich, dass in der neuen Zeit der Hafen vor der Puerta del Mar zugeschüttet wurde. Heute hat die ehemalig wichtige Hafenstadt nur noch einen Yachthafen vorzuweisen. Es ist sehr schmuck und etwas verschlafen in Campeche, so ziehen wir weiter der Tempelstadt Uxmal entgegen. In den letzten Tagen haben wir so unsere Schwierigkeiten mit Campingplätzen und es setzt sich fort. Der im Netz angepriesene Platz in Ticul erweist sich als Flop, wegen zu geschlossen?! Also zurück und um die Ecke, in Muna, im einfachen Garten Eden, sind wir willkommen!

Früh sind wir in der Historischen Stätte Uxmal. Sie ist weisend für den Pucc-Baustiel, in der Blütezeit um das Jahr 800 bis 1000. Schmucklose glatte untere Flächen, überreich verzierte obere Bauteile. Da hier der Grundwasserspiegel sehr tief liegt, wurde das Wasser in grossen Zisternen aufgefangen. Die Bedeutung des Wassers spiegelt in der Verehrung des Wassergottes Chaak. Jedes der freigelegten Gebäude ziert sein Konterfei, oft verwechselt mit einem Elefantenkopf, die in Amerika nie heimisch waren. Die mächtigste Pyramide des Zauberers ist sehr dominant und beeindruckend. Das Palacio del Gobernador, mit den Nebentempeln Tortugas und Jaguar ist sehr feingliederig und reich geschmückt. Der hohe Südtempel ist nur an der Nordseite freigelegt, dass zeigt auf, wie schnell die Anlagen im Dschungel verschwanden. Vor 1200 sind die Xiu, eine Tolteken Gruppe aus Zentral Mexiko, eingewandert. Sie beeinflussten die Stätte enorm, brachten sie doch den Quezalcoatel Gott (gefiederte Schlange) in die Region. Die ursprünglichen Einwohner waren bis 1200 verdrängt oder integriert. Die Xiu beherrschten Uxmal und Mayapan bis weit nach 1500.

Von unserem Übernachtungsplatz in Manu unternehmen wir eine fantastisch schöne Fahrt durch die Selva der Halbinsel Yucatan. Unterwegs bestaunen wir die naturbelassene Zenote Txlama. Vor Jahrzenten hat die Eigentümerfamilie einen Ziehbrunnen gebaut und sind auf das Juwel gestossen. In der Neuzeit wurde ein Zugang gegraben und mit Holz eine Treppe hinunter zum Wasser gebaut. Die Familie öffnete für uns den Zugang und wir durften hinuntersteigen und uns Beeindrucken lassen! Zenoten sind Karsthöhlen, (wie im Jura) am Grund bildete das Grundwasser kleine Seen / Tümpel in denen man Baden kann. Erst seit ein paar Jahren ist bekannt, dass sich das Grundwasser über die ganze Halbinsel ausbreitet. Bei starken Regenfällen kann der Wasserspiegel ansteigen, ca. 40cm. Ist eine Zenote verschmutzt, kann es die restlichen 2500 stark negativ beeinflussen. Endlich sind Bestrebungen im Gange, die Zenoten und somit das Grundwasser zu schützen, aber Mexiko… Die ganze bestehende Landwirtschaft hinter den noch vorhandenen Dschungelstreifen sind auf das Grundwasser angewiesen! Wie die Geschichte in der Region aufzeigt, wenn das Wasser ausbleibt stirbt zuerst der Mensch, oder er zieht weg… Ist die Humusschicht so dünn, dass sich die Kalksteine zeigen und nicht einmal mehr Steppengras wächst, wird es der Natur überlassen. Ansonsten wird «der Dschungel» intensiv genutzt, nicht zuletzt von den Touristen.

Besuch der Maya Stätte Chichen- Itza. Seit wenigen Jahren erst ist bekannt, dass Chichen-Itza die wohl grösste Mayastätte ist. Die Megastadt hatte eine Ausdehnung von 30 Quadratkilometer. Dank den spanischen Mönchen, die jede Schrifttafel als Teufelswerk zerstören liessen, ist aber über die Bewohner sehr wenig bekannt. Archäologen sind also auf Schätzungen angewiesen. Im Jahr 200 durch die Maya gegründet, dann beeinflusst von zugezogenen Völkern wie die Tolteken aus Tula, Olmeken und Oxteken hinterlassen hier ihre typischen Stilelemente. Die Kukulkan Pyramide ist das zentrale Element. Ihre Bauart zieht Rückschlüsse auf den Mayakalender mit den 365 Tagen, es ist eine umfangreiche Aussage, die am besten auf Wikipedia nachzuschlagen ist. Für den Besucher gut ersichtlich, es ist der einzige Maya Tempel mit vier grossen Treppen. Beim Templo de Guerreros ist der Einfluss von Tula sehr deutlich. Bis in die heissen Mittagsstunden laufen wir staunend durch die Anlage. Die Hitze wird nach 13:00h fast unerträglich und wir flüchten in unseren Camper, da haben wir zumindest beim fahren eine Klimaanlage. Im Fleur de Cactus, einem kleinen, sauberen Tropenparadies mit Pool, gut umsorgt vom französisch / mexikanischen Ehepaar, lässt sich der Tag wunderbar ausklingen.

Heute müssen wir einiges an Enttäuschungen einstecken. Das beginnt mit dem Besuch des Bahnhof vom «Tren Maya». Der für Touristen gebaute Zug ist das grösste finanzielle Massengrab von Mexiko. Es wurden Milliarden USD in das Projekt gepresst um ein paar Touristen auf der Halbinsel Yucatan herum zu fahren. Es fehlt aber an Strom und Wasser in den Dörfern und die Strassen sind durchs Band in einem schlechten Zustand. Der Hammer ist aber, nur in Chichen-Itza kann man von der Bahn direkt in die historische Stätte gelangen. Alle anderen sind weiterhin nur mit dem Bus zu erreichen. Das ist das Resultat von präsidialem Grössenwahn! Tulum, eine Perle der Karibik konnte uns gerade für eine halbe Stunde in ihren Bann ziehen! Dann haben wir den ersten Blick auf den Traumstrand geworfen und sind auf der Schnellstrasse von dannen geflüchtet. Selbiger ist total von Algen versifft, schmutzig und die Anlagen vom übelsten Touristennepp heimgesucht. Wir wünschen allen schöne Ferien in der Karibik, aber ohne uns! Wir fanden unsere Ruhe an der Laguna Bacelar.

Über Chetumal fahren wir auf der Mex 186 nach Escarcega, quer durch die Halbinsel auf fast schnurgerader Strasse. Urwald oder was davon geblieben ist, Zuckerrohr, Mais und Weidewirtschaft zur linken und rechten. Dann, nach dem Knick in der Strassenführung, hinaus an den Golf von Mexiko. Auf der Halbinsel Palmar soll es einen schönen, kanadisch geführten Campingplatz geben. Wir stehen vor geschlossenem Tor, daneben das Schild «Se Vende». Aus der Traum und weiter der Küste entlang. In La Agua werden wir mit Hilfe der Overlander Offline App fündig. Seit verlassen der Karibikküste waren wir ohne Netz, welch eine Qual ;-)

Unter Kokospalmen wohl geruht! Über einige Brücken, die die Inseln verbinden gelangen wir bei Ciudad del Carmen wieder auf das Festland. Ein ausgedehntes Feuchtgebiet prägt die Landschaft. Kühe weiden bis zum Bauch im Wasser stehend, im Hintergrund Palmen, die deutlich machen in welcher Klimazone wir unterwegs sind. An vereinzelten Lagunen fahren wir durch Fischerdörfer. An jedem dritten Haus / Hütte werden auf bunten Plakaten oder mit lauten Durchsagen die Passanten aufgefordert, fangfrische Krabben, roh, gekocht oder als Suppe zu kaufen. Franzosen haben das Wissen um die Krabbenzucht in die Region gebracht. In der Provinzhauptstadt Villahermosa besuchen wir den als Dschungel angelegten Parque La Venta. Unseren Interessen vorgelagert befindet sich ein Tierpark mit den in der Provinz Tabasco vorkommenden Wildtieren. Die Gehege sind recht gross, aber das hilft den Tieren nicht wirklich. Jaguar, Puma und diverse Kleintiere werden einzeln gehalten. Die zwei grossen Katzen sind deutlich Verhaltensgestört, schade. Nur die Brüllaffen bilden eine Kolonie und sind sichtlich zufrieden. Hinter dem Tierpark können wir auf einem Rundweg ca. 64 historische Objekte der la Venta Kultur (OLMEKEN) bestaunen. Es ist die älteste aller mexikanischer Kulturen. Sie siedelten am südlichen Golf von Mexiko von 1200 bis ca. 500 vor Christus. Ihre Leistungen der Kunst, Höhlenmalerei, Architektur und Arithmetik (Kalender) beeinflussten viele nachkommenden Völker. Die Maya übernahmen das olmekische Wissen über Zahlen. Das grösste Rätsel sind die 17 gefunden Olmekenköpfe. Diese wiegen zwischen 6 und 50 Tonnen, haben Neogriede bis Chinesische Gesichtszüge und wurden bis zu 100km weit an die vorgesehenen Standorte gebracht. Wohlgemerkt 1200 vor Christus und ohne Kenntnisse des Rades. Die meisten Köpfe wurden nach ihrem auffinden hinaus in die Museumswelt verbracht. 2016 wurde in der Provinz Morelos ein olmekisches Raubtierrelief gefunden und mit modernsten Methoden auf 2500 vor Christus datiert. Immer wieder auftauchende Objekte zwingt die Wissenschaft zu neuen Erkenntnissen. 14km ausserhalb der Stadt findet sich wieder einmal ein Balinero zum Nächtigen.

Zum gut Schlafen fehlte die kühlende Meeresbrise. Der kulturelle Höhepunkt sollte heute la Venta sein, mit, laut Reisebuch der grössten Ansammlung von Olmekenköpfen. Leider ist dem nicht so, in der etwas heruntergekommenen Stätte sind fast ausschliesslich Replikas zu finden. Der Tempel wurde nie richtig freigelegt, es ist ein bewachsener Steinhügel. So versuchen wir der Hitze und Luftfeuchtigkeit ein Schnippchen zu schlagen und suchen uns ein Platz am Meer bei San Andres Tuxtla. Der gleichnamige Vulkan hat hier ein sehr schönes Küstengebirge geschaffen. Die tropische Landschaft in der vorgelagerten Tiefebene zeigt uns grosse Zuckerrohrfelder, Ananasfelder und immer wieder Viehfarmen. Der Campingplatz liegt an einem Fluss, unmittelbar an der heute sehr grauen Küste. Es liegen eine Anzahl Fischerboote in der Mündung, der kleine Fang des Tages wird in ein paar Pickups verladen. Die erhoffte Meeresbrise entwickelte sich nach dem Sonnenuntergang zu einem bemerkenswerten Unwetter.