2026

Nordamerika - 20. Teil - Mexico

von
veröffentlicht am

17.03.2025 - 31.3.2025

Wir verabschieden uns von Udo und fahren nach Chapala, an den gleichnamigen See. Es soll der grösste See von Mexiko sein, und er ist gross! Im Dunst ist das gegenüberliegende Ufer kaum auszumachen. Die durchschnittliche Tiefe beträgt nur 7,5 Meter und er ist so verschmutzt, dass die Fischer kaum mehr ein Einkommen haben. Wir spazieren an der angenehmen Seepromenade entlang und schauen Indigenen bei einem sensationellen «Fallspiel» am Mast zu. Dem Ufer folgen wir nach Osten und haben etliche Mühe die kleine Strasse zu finden. Diese schlängelt sich abenteuerlich durch die sehr einfachen indigenen Dörfer. Bei Poncitlan geht es unvermittelt über den Berg und wir sind in einer fruchtbaren, grünen Hochebene. Nach Jamay erreichen wir die Mex 15, und es geht zügig bis Zacapu. Erstaunt sind wir von den ausgedehnten Agaven Felder, wer nur all diesen Schnaps trinkt?! Auf der alten 15er kommen wir an die Laguna Patzcuaro, durch schöne, bergige Landschaft. Wir sehen wieder viel Polizei und Armee, eine Gruppe der Armee bewacht offensichtlich Gefangene beim säubern der Strasse. Patzcuaro selber, soll einige interessante Ziele bieten, aber wir fühlen uns nicht sehr sicher im Ort und sind froh einen schönen RV Platz auf einer Rancho mit Schatten zu finden.

Patzcuaro soll einen schönen sehenswerten Anleger für die Fähren zu den drei Inseln haben. Als alter Schiffer möchten wir diesen bewundern. Wo kein Müll oder Unrat, wird aggressiv versucht Souvenirs zu verkaufen. Einen Blick auf die grösste der vorgelagerten Insel mit einem Christus auf dem Gipfel ist auch kaum möglich. Wir sind etwas sauer auf das Lügenbuch und auch auf die Stadtväter, die sich nicht besser kümmern. So geht es zügig weiter nach Morelia, Universität und Hauptstadt der Provinz Michoacan. Nicht vergebens ist die Innenstadt ein UNESCO Kulturgut! Aber mit unserem Camper einen geeigneten Parkplatz zu finden war schlicht nicht möglich. So lassen wir ihn vor einem gebührenpflichtigen Parkplatz für PKW stehen und hoffen auf Goodwil der Polizei. Wir flanieren durch die prächtige Innenstadt. Hervorzuheben sind die blauen Kacheln an den kolonialen Bauten, insbesondere auf den Dächern der Kathedrale. Der grösste Teil der Bauten wurden im 18. Jahrhundert erbaut. Viele dieser alten Gebäuden sind innerhalb der Mauern erneuert und top modern. Es ist sehr aufgeräumt und sauber in der Stadt, angenehm. Wohlbehalten finden wir unser Auto und machen noch eine kleine Tour zum bekannten Aquädukt. Dieser wurde schon sehr früh durch spanische Padres erbaut und immer mehr ausgeweitet. Er diente bis ende 1980 zur Wasserversorgung und ist noch in weiten Teilen erhalten. Allerdings oft eingekeilt zwischen Strassen, dass erschwert die Besichtigung. Zum Übernachten fahren wir 25km nach Norden, an die beinahe ausgetrocknete Laguna de Cuitzeo, in ein «Balinero». Beim Abendessen vor dem Auto bekommen wir noch die Stärke der Umzäunung der Anlage vorgeführt. Eine Gruppe Soldaten marschiert in lockerer Kampfformation schwer bewaffnet an uns vorbei hinunter ins nahe Dorf… Gute Nacht.

Die Nacht bleibt ruhig, nur ein paar LKW auf der nahen Strasse sorgten für Lärm. Ein letzter Blick auf die Lagune und wir machen uns auf den Weg nach Zitacuaro, in das nahe liegende «Monarch Butterfly Biosphere Reservat». Die Fahrt, machen wir es kurz, durch absolut tolle Gebirgslandschaft stand unter der Leitung des Navi von Google Maps. Bis heute sind wir nicht überzeugt, dass das Navi immer wusste wo wir durchgefahren sind! Abenteuer pur! Das Strässchen immer schmaler und steiler, ich bewundere unser Dodgli, dass er das alles packte! Wohlbehalten erreichen wir das Santuario el Rosario, eines von drei Ausgangspunkten zur Besichtigung der Monarch Schmetterlinge. Diese sind einmalig, wie Zugvögel fliehen sie vor dem eisigen Winter in Nordamerika in das warme Mexiko und im Frühjahr wieder zurück. Ich bringe der indigenen Bevölkerung in dieser abgelegen Bergwelt viel Sympathie entgegen, aber hier sind wir nicht ausgestiegen. Zu aggressiv wurden die für uns unbrauchbaren Waren angeboten und es mangelte an Vertrauen. Wir sind auf 3150 MüM, beide haben Kopfschmerzen und dann sollen wir mit einem Führer weitere 6 Kilometer in die Wälder marschieren um Schmetterlinge zu beobachten? Die Monarch Falter sind prächtig, das haben wir beim einfahren in das Reservat festgestellt, aber wir fühlen uns nicht in der Lage weiteren Stress auf uns zu nehmen. Unter Protest der Verkäufer beginnen wir mit der Abfahrt, die naturgemäss zügiger von statten geht. Kurz vor dem Eindunkeln erreichen wir die angepeilte Hotelanlage Villa Monarch vor Zitacuaro, eine Oase der Ruhe. Zumindest bis wir vor Mitternacht von fernen Schüssen aus Schnellfeuerwaffen aufgeweckt werden. Nach einem Kontrollblick auf das Tor versuchen wir weiter zu schlafen.

Wir stellen fest, dass letzte Nacht noch einige andere Fahrzeuge in der weitläufigen Anlage einen sicheren Hafen aufsuchten. Auf der Umfahrungsstrasse sehen wir die Stadt angenehm in der Morgensonne auf dem Bergrücken liegen, ganz im Gegensatz zum nächtlichen Geschehen. Wir versuchen den Grossraum von Mexiko City zu umfahren. Auf Strassen die es laut Karte noch gar nicht gibt, gelingt es recht gut. Zum ersten mal werden wir von der Autobahnpolizei kontrolliert, es gab zum Glück keine Beanstandung. Das Altiplano war nicht nur «plano» sondern durchzogen mit weitläufigen Hügelzügen und sehr angenehm. Dank der gebührenpflichtigen guten Strassen kommen wir früh nach Tula und können die «Atlanten von Tula» bestaunen. Im Jahr 1000 war die Tolteken Stadt die grösste in Mesoamerika. Sie waren die «Erben von Teotihuacan» dem grossen Volk, dass sich um 700 in alle Winde zerstreute. Von anderen Völkern wurden die Tolteken die «Wissenden Handwerker» genannt. Ihr Hauptgott war «Quetzalcoatl», die gefiederte Schlange. Die Blüte der Tolteken währte kaum 200 Jahre, dann wurden sie besiegt und sie wanderten nach Yucatan, wo sie ihre Spuren in verschiedenen Tempeln hinterliessen. Die gebliebenen Atlanten stehen auf dem obersten Stock der Morgenstern Pyramide und waren Stützpfeiler für das überspannende Dach. Das ist einem Brand zum Opfer gefallen, wie das Dach des vorgelagerten Palastes. Zu besichtigen sind noch zwei freigelegte Ballspielplätze und ein schönes Museum mit einem unbeschädigten «Chak Mool» Tempelwächter. Der zweite ist in Mexiko City im Museum und weitere, aber beschädigte, finden sich in der Anlage. Auf der Nordseite des Tempels, schön Überdacht ist eine Wand mit Schlangensymbolen zu bewundern, bei einigen Strukturen sind noch Reste der Farben sichtbar, beeindruckend. Der Rundgang hat sich in die Länge gezogen und wir sind recht «uf dr Schnurre». Leider findet sich nirgends in Tula ein vernünftiger Stellplatz und wir müssen noch 40km weiter zum «Arcos del Sitio» fahren. Diese 40km hatten es in sich! Alles auf Provinz- oder Gemeindestrassen, die vollgepflastert mit Topes waren. Es kam uns vor als wären es tausende dieser blöden, Fahrzeug und Menschen zerstörenden Bodenschwellen. Bei Ankunft in der Abendsonne, mussten wir uns für das letzte schöne Aquädukt Foto zwingen, danach war nur noch Ruhe angesagt.

Nach einer super stillen und dunklen Nacht sind wir wieder voll im Saft und können den dreistöckigen Aquädukt näher in Augenschein nehmen. Er überspannt die Schlucht des Rio Oro in einer Länge von 438 Meter in einer Höhe von 61 Meter. Erbaut von Jesuiten Padres in 1767, für die damalige Zeit ein Meisterwerk der Ingenieurskunst! Um unser nächstes Ziel, die Pyramiden von Teotihuacan lassen sich leider nur auf der inneren Umfahrungsstrasse von Mexiko City erreichen. So kommen wir mit dem Moloch in Berührung und haben sofort Bedauern mit den Fussballern, die in zwei Monaten in dieser Höhenlage noch zusätzlich die Dreckluft einatmen müssen! Recht grausig was sich da entlang der Schnellstrasse präsentiert! Es wird versucht Elendsviertel mit viel Farbe zu sanieren, aber es bleiben die bis ins extreme vermüllten Quartiere. Oft sind die Fabrikanlagen schöner anzuschauen. Interessant, die Preise auf den Gebührenpflichtigen Schnellstrassen sind hier im Umland der Megastadt massiv teurer, ca. 21 Euro für 100km Strecke, zumindest hat es keine Topes. Wir sind erleichtert als wir die Oase Rancho Viejo in der Nähe der Tempelanlage finden und unter den schönen Bäumen in Stellung gehen können. Die letzten Tage zerrten an unserer Substanz, so geniessen wir den Garten und die Gastfreundschaft der Besitzer.

Der Junior der Besitzerin macht für uns Taxidienste, er fährt uns zur Eingangspforte 5 der grossen Tempel Stadt Teotihuacan. Es war in den Jahren 200 – 600 die grösste bis heute bekannte Stadt in Mesoamerika mit ca. 200000 Einwohner. Das Volk ist bis heute unbekannt, jedoch verehrten sie den Schlangengott Quetzalcoatl dem sie einen aufwendigen Tempel errichteten. Der grösste Tempel El Sol und sein gegenüber im Norden, La Luna, wurden von den 500 Jahre später anrückenden Azteken so benannt. Zwischen den Tempeln gibt es eine 40m breite und 2km lange Nord/Süd Achse, die Irrtümlich von den Spaniern Calzada de los Muertos genannt wurde. Es sind nicht Gräber die die Strasse flankieren, sondern weitere Zeremonienstätten und zwei Pelotas Ball Spielplätze. Etwas wichtiges haben wir Übersehen, es wird das Frühlingsfest gefeiert, die Sonnenwende. Das ist eine extrem lärmige Angelegenheit, so etwa wie Fastnacht und Neujahr zusammen ;-) Der Sonntag ist dann traditionell ein Ausflugstag, entsprechend viele sind hier in der Tempelstadt unterwegs. So sind die Museen komplett überfüllt und unseren Blicken entzogen. Am Nachmittag beenden wir den Rundgang und kommen wohlbehalten zurück auf den Campingplatz. Wir sichten unsere Föteli und beschliessen, dass wir Morgen im mindesten noch die Museen besuchen wollen.

Gleich nach dem Frühstück starten wir mit unserem Auto die Museumstour. Los geht es ganz im Norden mit dem Museo de los Murales. Es werden noch erhaltene Fragmente und Mosaike von den Mauern der Stadt in geschützter Umgebung gezeigt. Schnell ist klar, es war eine Farbenprächtige Stadt, kein Vergleich mit der heutigen Düsternis. Danach bei Porta 5 besichtigen wir das Museo de la Cultura Teotihuacana, mit kulturellen Fundstücken und besonders beeindruckend, ein Model der Stadt. Es waren ohne Zweifel sehr begabte Leute die das alles gebaut haben. Anders als bei uns im Mittelalter, haben sie ein funktionierendes Abwassersystem mit eingebaut! Die gepflasterte Ringstrasse ermöglichte es uns einfach um die Anlage herum zu fahren. Da es deutlich weniger Besucher hatte, beschlossen wir, den Tempel von Quetzalcoatl nochmals zu Besuchen. Er ist wirklich sehenswert, leider aber schwierig zu besichtigen. Zuerst muss eine etwa 12m hohe Zeremonialplattform erstiegen werden, dann erst wird die Sicht auf die Figuren am Haupttempel möglich. Diese zeigen die gefiederte Schlange Quetzalcoatl und den Wassergott Tlaloc, schwebend über Wasser mit Wellen, Fischen und Vögel. Es war die Mühe wert, auch wenn es teilweise auf Händen und Füssen hinauf und auf dem Hosenboden wieder hinunter ging. Die Treppenstufen entsprechen in keiner Weise unserer SI Norm!

Wir machen uns auf den Weg nach Tlaxcala, der Stadt in der gleichnamigen Provinz. Nach einiger Verwirrung mit den Angaben im Navi und einem kurzen Blick auf den Vulkan Maliche erreichen wir die gepflegte Stadt. 1519 verbündeten sich die Tlaxcalteken mit Hernan Cortes. Sie Unterstützten die Spanier nach Kräften bei ihrem Feldzug gegen ihre Erzfeinde, die Azteken. Das wurde ihnen später belohnt, sie können bis heute ihre Provinz mit grosser Selbständigkeit regieren. Klein aber fein! Bis jetzt die sauberste, mit bester Infrastruktur ausgerüstete Provinz in einer sehr fruchtbaren Gegend auf dem Alti Plano. Im Palacio de Gobierno können wir die Murales (Wandmalereien) mit der Geschichte der Tlaxcalteken bewundern. Das Zentrum der kleinen Stadt ist sehr schmuck und das Essen unter den Arkaden sehr fein. Solchermassen gestärkt machen wir uns weiter auf den Weg in die nächste Provinzhauptstadt Puebla. In der Vorortgemeinde Cholula, auf dem etwas morbiden RV Stellplatz Americana finden wir unseren Ruhepool.

Mit der App von Uber organisiert Theres eine Fahrgelegenheit in die, für uns Schweizer gross vorkommende Stadt. In den historischen Stadtkern sind wir 55 Minuten unterwegs. Der Smog, Gestank nach verbranntem Plastik und Autoabgasen, ist erdrückend. Im Zentrum (Zocalo) angelangt, geht es zu Fuss weiter auf Besichtigung: Die zweitgrösste Kathedrale des Landes mit den glasierten Talavera Kacheln auf den Dächern der Türme und an den Wänden, der Capille del Rosario mit der vergoldeten Kuppel in der Kirche Santo Domingo, der Casa Alfenique (Zuckerbäcker Haus) der Casa de los Munecos mit seinen skurrilen männlichen Figuren und der 400 Jahre alten Biblioteca Plafoxiana mit sehr, sehr alten Büchern, die heute an der Universität angegliedert ist. Diese intensive kulturelle Tour durch die Altstadt verursachte ein entsprechendes Hungergefühl, dass in einer der unzähligen Beizen bekämpft wurde. Uber sei Dank, fanden wir auch wieder zurück auf den Campingplatz.

Puebla ist umgeben von vier grossen, oft mit Schnee bedeckten Vulkanen. Bei der Ankunft konnten wir knapp den Maliche im Dunst erkennen. Der Popocatepetel, als einziger noch aktiv, und entsprechend berühmt, ist ein Muss! Also führte der erste Weg auf der Routa Cortes nach Westen, so lange bis wir den Popo gut im Blick hatten. Der Smog war uns gnädig, 10km ausserhalb Cholula kam der rauchende Berg recht gut in Sicht. Um unser Tagesziel Tehuacan zu erreichen, mussten wir leider wieder zurück durch Puebla und weiter nach Südosten. Dabei kommen wir fast zufällig an der nach Volumen grössten Pyramide der Welt vorbei. Tepanapa ist 430m lang und 65m hoch, sie steht mit Büschen bewachsen vor dem Ort Cholula. Cortes hat sie schon so angetroffen. Es hinderte ihn nicht nach einem Gemetzel an der indigenen Bevölkerung, eine Kapelle auf den Gipfel zu bauen. Nach einem Erdbeben ist sie eingestürzt, so wurde die Nuestra Senora de los Remedios noch prächtiger wieder aufgebaut. Auf der Stadtautobahn durchqueren wir Puebla und reihen uns in den dichten Verkehr vor der Zahlstelle der Mex 150 ein. Danach geht es durch das, weil bewässerte, fruchtbare Alti Plano. Nach der Abzweigung Orizaba geht es in Hügelzüge und wir durchqueren wieder einmal wüstenartige Weidelandschaft. Bald ist der mit Schnee bezuckerte Pico de Orizaba in der Ferne zu sehen, mit 5760 MüM ist er einer der höchsten Berge in Mexiko. Zweimal sind wir Zeugen wie am Strassenrand Fahrzeuge von der Armee/Polizei festgehalten werden. Das sieht immer sehr bedrohlich aus mit all den Schnellfeuergewehren im Anschlag und einer Familie mit Kindern auf den Knien an der Leitplanke! Am Nachmittag erreichen wir die Umfahrung von Tehuacan. Ausserhalb, im Süden der Stadt versuchen wir mit dem Navi unseren Platz für die Nacht zu finden. Es gelingt am Ende nur mit der sehr freundlichen Hilfe eines Anwohners, das Rancho San Marcos zu finden. Das Unvermögen unserer drei elektronischen Karten, zwei mit Navigationsprogramm, ist uns unerklärlich! Das Rancho existiert, wir sind gut angekommen.

Das Ganze Tal südöstlich von Tehuacan, entlaang vom Rio Salado wird intensiv bewässert und ist entsprechend Fruchtbar. Danach windet sich die Strasse wieder hinauf in die Berge. Es wird auf Terrassen intensiv Mais, Lucerne und anderes angebaut. Es ist aufgeräumt und sauber, sehr angenehm Anzuschauen. Die Terrassenfelder werden von Hand gehackt und gepflegt, ab und zu sind sie auch mit einem Maultier am Pflügen, sicher ein harter Erwerb! Je näher wir der Provinzhauptstadt Oaxaca kommen um so dichter wird der Verkehr. Die Stadt auf 1500 MüM breitet sich über das ganze Tal aus. Annähernd ein halbe Million Menschen leben hier und entsprechend viele sind unterwegs. Auf der Umgehungsstrasse ist man der Stadt nicht eigentlich entflohen, es hat einfach noch mehr Verkehr und entsprechende Staus. Tapfer kämpfen wir uns durch und erreichen etwas südlich den RV Platz Americana. Erstaunlich wie sich das Navi wieder einmal aufhängt, wie in alten Zeiten müssen wir nach dem Weg fragen. Dafür werden wir von hohen Bäumen, Rasen, Pool und freundlichen Menschen empfangen, sehr angenehm!

Heute Samstag haben wir uns viel vorgenommen. Das erste Abenteuer ist die Bussfahrt zurück in die Stadt. Allein den Fahrer zu beobachten ist bestes Kino! Die linke Hand benützt er zum Lenken, dabei ist um jeden Finger Wechselgeld geschlungen und sie hält das Handy… Mit rechts wird Geschaltet, Gehupt, Musiklautstärke geregelt (möglichst laut!) und die Geldmünzen der Fahrgäste gemanagt… Wahnsinn! Besonders schlimm sind die Topes, alle 2 bis 400 Meter sind sie quer über die Strasse gepflastert und verlangen immer den vollen Einsatz von allen Fahrzeuglenkern. Drei Strassen ausserhalb des Zentrums werden wir abgeladen und es geht zu Fuss Richtung Zocalo, dem zentralen grünen Platz der spanischen Kolonial Städte. Natürlich ist noch Markt mit seinem bunten Geschehen. An einem Stand werden sechs Sorten Heuschrecken zum Verzerr angeboten. Das ist schon ungewöhnlich, die Kostproben schmecken wie Chips… So kaufe ich den zwei Handvoll der Proteinbomben… Nach dem Besuch des Textilmuseums, wegen der traditionellen Webkunst mit einem Hüftgurt zum verspannen der Fäden und den indigenen Trachten (nur wenige zu sehen), lassen wir uns unter alten Lauben den Kaffee schmecken. Solchermassen gestärkt sind wir fit für das Museo de la Cultura de Oaxaca. Da ist nicht nur die Stadt vertreten sondern die ganze Provinz Oaxaca mit den all den Historischen Besonderheiten. Eine ist wirklich besonders, der Inhalt des Grabes Nr. 7 von Monte Alban. Da ist einmal der beachtliche Wert dieser Grabbeilagen, richtig zu begeistern vermögen jedoch die filigranen Goldschmiedearbeiten, die den Toten mit ins Grab gegeben wurden! Nicht ganz einig sind die Historiker von welchem der Völker sie stammen, eigentlich sind die Zapoteken eher bekannt als geschickte Hersteller von Götterfiguren und Totenmasken aus Ton. Viele Historiker halten deshalb die Mixteken für das güldene Verantwortlich. Es gibt auch zwei sehr unterschiedliche Männer aus dieser Stadt. Der berüchtigte, ungeliebte Diktator Porfirio Diaz, der die krassen Missstände verantwortet, die zur Revolution führten. Der bewunderte und verehrte Benito Juarez, erster Indigener Präsident, Zapoteke und unbestechlicher Reformpolitiker. Er Verantwortete das die Kirche einen Grossteil des Vermögens an den Staat verlor. Die Schulpflicht und die zivile Ehe sind ebenfalls unter seiner Regie eingeführt worden. Im Regierungsgebäude sind sehenswerte Murales die seine Geschichte darstellen. Leider hat ein heutiger Volksvertreter gerade eine Veranstaltung, so dass das Gebäude für Publikum gesperrt wurde. Also keine Föteli vom Volkshelden. Für die Rückfahrt organisieren wir ein Taxi, das versuchte den Feierabendstau zu umfahren, so kommen wir noch in den Genuss einer Stadtrundfahrt durch weniger feine Quartiere.

Den Morgen nützen wir zum einkaufen im Walmart, da entsprechen die Produkte in etwa unserem Geschmack und es gibt u. a. Salat in Variationen. In mexikanischen Märkten ist nur Eisbergsalat zu haben. Wir finden sogar recht gutes Laugenbrot, oder so ähnlich, schmeckt ganz gut. Die Gasdüse vom Kühlschrank wird von feinen Rostpartikel befreit, er läuft jetzt wie «neu». Die Heuschrecken- Frikadellen werden nicht zu einem festen Bestandteil unserer Kochkunst! Aber gegessen werden sie! Der Abend klingt mit einem Gewitter aus, dem ersten seit sehr langer Zeit.

Etwas früher als gewohnt machen wir uns auf, die Tempelanlage von Monte Alban anzuschauen.

Erbaut wurden sie 500 v.C. von den Zapoteken, die ihren Höhepunkt in den Jahren 200 bis 500 erreichten. 750 haben sie die Anlage aus unbekannten Gründen verlassen. Nachfolgend siedelten die Mixteken vor Ort und prägten die Anlage mit. Das führt unter den Historikern immer wieder zu Unsicherheiten über entdeckte Funde, da beide einem ausgeprägten Totenkult frönten. Den gefundenen Bildtafeln und Stehlen ist aber zu entnehmen, dass beide Völker ein angespanntes Verhältnis zu den Azteken hatten und sie bekämpften. Einer Stehle ist das letzte Datum das Jahr 826 zu entnehmen, danach verlieren sie sich in der Geschichte. Die Tempel sind zumindest teilweise verputzt und angestrichen gewesen, sicher ein erhabenes Bild. Viele grosse, flache Steine wurden durch grosse Figuren verziert und in die Bauten Integriert. Beispielhaft «der alte Mann mit Bart» Diese Figuren sind ein Hinweis auf olmekischen Einfluss. Die Anlage ist schön über der Stadt gelegen und ein beliebtes Ausflugsziel. Leider ist der Weg für Gehbehinderte beim Eingang nicht ausgewiesen, erst wenn man auf dem Hauptplatz der Tempelanlage angekommen ist, ist der gut zu begehende und Rollstuhl geeignete Weg ausgeschildert?! Es hätte nicht nur uns viel Mühe erspart! Natürlich haben wir das beim Personal angesprochen, sie haben es mit Schulterzucken und Unverständnis zur Kenntnis genommen… Auf der Rückfahrt wenden wir uns nochmals dem Regierungsgebäude mit den schönen Murales zu. Vergebens, jetzt gibt es keinen Einlass, nur am Samstag und Sonntag sei eine Besichtigung möglich. Es gibt schon Momente in Mexiko, da muss ein Tourist sich mit grösster Mühe beherrschen! Auf dem Weg zum Campingplatz kommen wir an einem Reifenhändler vorbei. Er hat tatsächlich passende Reifen für Dodgli vorrätig und wir können sie gleich montieren lassen, dass finden wir prima.

In der Nacht dann ausgiebiger Regen. Weiter mit Camperleben, an Dodgli Luftfilter wechseln und Abends wieder Regen.