2024

Nordamerika - Kanada - 2. Teil

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veröffentlicht am

21.05.2024 - 01.06.2024

Wir sind jetzt in den Selkrirk Mountaines unterwegs und kurz vor dem Städtchen Revelstoke. Hier, im geschichtsträchtigen Weiler und Bahnhof Craigellachie wurde am 7. Nov. 1885 der letzte Nagel eingeschlagen. Die Ost/West Verbindung der «Canadian Pacific Railway» (heute CPR) war damit fertiggestellt. Kurz danach erreichen wir Revelstoke, der Ort verdankt seine Existenz einzig der Eisenbahn. Ein grosser Rangierbahnhof, Wartungshallen und Drehteller zum drehen und verteilen der Fahrhabe zwecks Reparatur zeugen noch heute von deren wichtigen Rolle. Im alten Bahnhof besuchen wir ein interessantes Bahnmuseum. Es berichtet von den Schwierigkeiten beim Bau, Streik der Arbeiter weil der Lohn ausbleibt, Lawinen und Steinschläge die viele Todesopfer (hauptsächlich Chinesen) fordern. Zeigt aber auch die grösste Dampflok die auf der Strecke unterwegs war und die erste dieselelektrische Lok die den Pazifik erreichte. Sie und 79 Schwestern beendeten mit ihren 4200 PS die Dampfära in den 1950er Jahren. Die Schneeräummaschinen sind beeindruckend, aber auch die Winter: am Rogers Pass wurden bis 23m Schnee gemessen. Viele Tafeln erklären u.a. die Kehrtunnel und Schleifen (schon beschrieben) die erst in neuerer Zeit gebaut wurden. Damit wurde das Gefälle der Strecke von 4.5% auf max. 2.2% gesenkt. Erst danach war es möglich, mit den heutigen Giga-Zügen die Berge zu durchfahren.Es wurde auch der Weitertransport im Auge behalten. Auf den Seen der Umgebung betrieb die PCR eigene Flussdampfer mit grossen Heckrädern. Allein auf dem Upper und Lower Arrows Lake deren vier. 1962 wird die Transcanada, der Hw1, fertiggestellt. Das Automobil und das Flugzeug beendete die wichtige Rolle im Personentransport. Es verkehren heute nur noch Touristenzüge mit Panorama Fenstern und noblen Speisewagen auf den schönen Gebirgsstrecken. Als Ausgangsort für Naturparks, Ski Resorts und den Glacier NP kann sich Revelstoke heute gut behaupten und prosperiert.

Auf der Fahrt nach Golden sind wir sehr Beeindruckt von den imposanten Bergen und Gletschern. Hier verlassen wir den Hw1und fahren entlang des noch jungen Columbia River nach Radium Hot Spring. Hier dominiert ein Sägewerk das Ortsbild. Am Highway sind die touristischen Einrichtungen die um Aufmerksamkeit buhlen. Allen voran die warme Quelle am Eingang zum Kootenay NP. Das warme Wasser tut gut und sorgt für die nötige Bettschwere. Gut ausgeruht können wir die wunderbare Fahrt durch den Kootenay NP durch die Rockyies nach Lake Louise antreten. Unterwegs beeindrucken besonders die Nama Falls, Marbel Cayon, Point Pols, Baster Cliffs und natürlich die verschneiten Berge. Bei jedem dieser Aussichtspunkte gibt es einen mehr oder weniger langen Fussmarsch, so dass wir das Bewegungssoll gut einhalten können. Da wir durchgehend in NP unterwegs sind, wollen wir auf den Campground in Lake Louise. Der soll aber voll belegt sein und wir werden Angewiesen 5km auf dem Hw1 zurück zu fahren, auf das Overflow Camp. Dort angekommen sind wir nur ein paar Fahrzeuge, aber beim Einnachten zählen wir weit über dreissig Übernachter aller Facon. Am Morgen fahren noch einige PWs vor, alle mit Fahrrädern bestückt. Es scheint ein beliebter Fahrradevent statt zu finden. Einige der Rentner-Radler sind aus französisch Kanada. Wir begeben uns zum Park and Ride von Lake Louise und möchten von da mit dem Shuttelbus hinauf zum berühmten «Lake Louise». Da wir natürlich nicht vorgebucht haben, scheinbar geht es nicht ohne, müssen wir bis 11.00h in der Talstation des Skizirkus warten um ein «Slot» im Bus zu ergattern. Natürlich kann man selber hochfahren, wird dann aber mit einer Parkgebühr von 24.- CHF bestraft. Es scheint uns gewollt, durch die Preisegestalltung den Touristenstrom einzudämmen. Es sind wirklich viele am noch zugefrorenen See unterwegs! Aber es ist halt schön und der Banff NP ist dafür Weltweit bekannt. 1902 hat die PCR (wieder einmal) mit dem Tourismus hier begonnen. Sie holte den Bergführer Feuz aus der Schweiz und gibt ihm den Auftrag für noble Gäste Bergtouren in der Umgebung durchzuführen. Bald waren die Bergtouren von Feuz weit über Nordamerika hinaus bekannt und für die zahlungskräftigen Gäste wurde das Nobelhotel «Chateau Lake Louise» erbaut. Noch vor dem ersten Weltkrieg brannte es bis auf die Grundmauern ab. Es wurde in neuer Pracht erstellt, die Gäste kamen in Scharen und Feuz holte weitere Bergführer aus der Schweiz. Hoch am Berg Lefroy bauten sie eine Berghütte, die so gut ankam, dass sie heute ein Nationales Monument ist. Der letzte Schweizer Bergführer Perren ging 1954 heim in den Ruhestand. Das Nobelhotel wird heute zum X-ten mal erweitert und ist immer noch erfolgreich.

Auf dem gebührenpflichtigen «Icefield Parkway» ziehen wir weiter Richtung Jasper. Bei der Abfahrt hängen die Wolken tief und es nieselt kräftig. So etwa ab 10.30h, mit den entsprechenden Aufhellungen, wird klar warum wir eine Gebühr bezahlen mussten. Wunderbare verschneite Bergmassive beiderseits der Strasse lassen die Herzen höher schlagen. Leider sind auch hier die meisten der Aussichtspunkte und Camps mit Selbstdeklaration noch geschlossen und wir suchen intensiv nach einem Übernachtungsplatz. Vor dem Anstieg zum Sunwapta Pass, am Coleman Creek, finden wir einen Parkplatz für Fernwanderer ohne Übernachtungsverbot. Wir hängen unsere Parkgebühr Quittung an die Frontscheibe und können sehr ruhig Schlafen. Am Morgen auf der Fahrt zum Pass ist das Wetter deutlich schlechter. Beim bestaunen des Athabasca Glacier (ein richtig grosser) nieselt es wieder stark und die Gipfel bleiben in den Wolken. Beeindruckend finde ich die Tafeln, die das Eisfeld in 1908 und 1925anzeigen. Da begann das grosse schmelzen der Gletscherzunge. Auf der Abfahrt ins Tal sehen wir eine Anzahl der seltenen weissen Bergziegen. Am Nachmittag erreichen wir Jasper und tätigen kleine Einkäufe, besuchen die Parkinfo zwecks Übernachten und Touren in die Umgebung. Der von uns angepeilte Campground Pocahonta wird leider erst ab mitte Juni eröffnet. So müssen wir in Jasper bleiben und haben schon früh Feierabend. Wir werden von Jenny und Michi aus dem Zürcher Oberland angesprochen. Sie haben einen identischen Camper in 2017 erworben und fahren jetzt in Etappen durch Kanada. Nach ihren Schilderungen müssen wir uns keine grossen Sorgen wegen des Fahrzeugs machen. Sie haben fast den doppelten Tachostand und wenn Benzin kommt, schnurrt der 8 Zylinder zufrieden. Wir verabreden einen losen Erfahrungsaustausch beizubehalten, kann hilfreich sein.

Heute Sonntag fahren wir Richtung des Lake Maligne. Eine Überraschung folgt der anderen! An der Strasse sehen wir eine Grizzly Mama mit zwei einjährigen Jungen. Sie sind kräftig am futtern und wir am Staunen! Auch wegen des Futters, sie lieben die frischen Gras Schösslinge. Ein paar hundert Meter weiter stöbert ein Schwarzbär durch das Unterholz. Schon bald erreichen wir den kräftig ausgewaschenen Maligne Canyon. Die «Gletschermühlen» und die tiefe Schlucht sind sehenswert. Ein Glück, dass wir so früh los sind! Die ersten Reisecars sind beim weiterfahren schon am eintrudeln. Beim Lake Medizine sind wir wieder vorneweg und Theres kann ruhig ein Foto schiessen. Der See ist etwas besonderes, wenn es viel Niederschlag und Schmelzwasser gibt kann er zu einem richtig tollen Bergsee anschwellen. Es regnet zwar immer wieder, aber heute ist der See dennoch fast leer. Im Karstgestein versickert das Wasserund tritt weiter unten als Maligne River wieder zu Tage. Mit all den Zwischenhalten brauchen wir fast zwei Stunden bis zum Lake Maligne, einem Höhepunkt im Jasper NP. Die Regenwolken hüllen die Bergspitzen ringsum ein und der See ist von dünnem Eis bedeckt, aber es ist dennoch ein schönes Erlebnis. Auch die urchige kleine Wanderung zum Aussichtspunkt durch den Bergwald geniessen wir. Wenn es euch einmal nach hier verschlägt, macht unbedingt die Bootstour, es wird mit dem entsprechenden Wetter eine der schönsten! Für uns geht es wieder hinunter zum Hw 16, denn diesem wollen wir nach Osten bis Pocahonta folgen. An der Kreuzung sind es jetzt eine kleine Herde Mouflons, die mit ihrem prächtigen Auftreten neben der Strasse den Verkehr zum erliegen bringen. Die Fahrzeuge fahren Kreuz und Quer um die beste Fotoposition zu ergattern. Zwei LKWs sind da weniger erfreut, mit ihren kräftigen Hupen bahnen sie sich einen Weg durch diekopflosen Touristen. Das Wetter ist deutlich besser als wir in Pocahonta auf die Bergstrasse zu den Miette Hot Springs abbiegen. Hier im engen Tal möchten wir wieder ein warmes Bad nehmen. Aber oha, der Parkplatz ist proppenvoll mit Gästen die vornehmlich aus der Gegend von Edmonton den Weg hier herauf fanden. Die Badeanlage ist neu renoviert, aber uns steht nicht nach Baden wie die Sardinen. Da wir am Sonntag gelegentlich nicht selber kochen, setzen wir uns auf die inzwischen sonnige Terrasse und lassen uns einen «griechischen Wrap» schmecken. Zufrieden und satt erreichen wir am Abend wieder den Campground.

Den Jasper National Park verlassen wir auf dem gut ausgebauten Hw 16 nach Westen über den Yellowhead Pass und kommen in den anschliessenden Mt. Robson Provinzial Park. Beim Besucherzentrum steht der mächtigste Berg der Region direkt vor dem staunenden Publikum. Theres hat Geduld und erwischt den weissen Brocken in einem beinahe wolkenfreien Moment. Danach nutzen wir die trockenen Momente noch für einen Spaziergang und schon beginnt es wieder zu tröpfeln, ärgerlich. Nach verlassen des Parks, im Robson Valley, sind wieder Farmen an der Strecke auszumachen. Ich denke sie betreiben mehrheitlich Viehzucht. Das Erscheinungsbild ist differenziert, von tiptop bis gegenteilig. Einige stellen seit Generationen die ausrangierten Geräte um den Hof ab. Der soeben aktuelle Traktor oder Pickup ist nicht genau festzustellen. In McBride fahren wir durch das Städtchen. Es ist für weitherum das Versorgungszentrum mit allem was so gebraucht wird. Auch ich kaufe im Home Center (Bilderbuchladen!) zwei Holzlatten um ein Schranktablar zurecht zu sägen. Am Prudence Lake vor PrinceGeorg, tief im Wald, finden wir ein BC Camp für die Nacht. Wir gehen früh in die Federn und hören die Kassiererin nicht. Am Morgen haben wir einen regendurchweichten Zettel an der Windschutzscheibe mit der Zahlungsaufforderung. Wir suchen und suchen nach der Bezahlbox, freundliche Nachbarn machen es möglich, das Geschreibsel richtig zu entziffern und wir können endlich unser Geld los werden.

Danach kommen wir zügig durch die Wälder nach Prince George. Die Stadt ist im grossen was McBride war und hat einige holzverarbeitende Betriebe. Jetzt ist auch klar, wohin die LKW mit den Holzstämmen düsen. Die sind unterwegs wie Rennfahrer und mit Touristen sehr ungeduldig. Die weithin sichtbaren Dampfschwaden kommen von einer grossen Brauerei und nicht von der Holzverarbeitung. Theres findet auf iOverlander eine Ölwechselstation. Diese fahren wir an und haben ein besonderes «Ölwechsel» Erlebnis! Vier Fahrspuren führen vor hohe Tore. Wenn der Platz vor einem frei wird, öffnet sich das Tor und man wird freundlich zur Einfahrt aufgefordert. Sehr geschäftsmässig wird nun durchs Fenster des Fahrers über die Dienstleistung verhandelt. Das dauerte mit unseren spärlichen Sprachkenntnissen etwas länger. Dann ist alles klar, von vorne oben und unten gleichzeitig wird an unserem Fahrzeug das Öl von Motor, Automatikgetriebe und Differenzial gewechselt. Aussteigen ist in der Zeit nicht erwünscht. Die entsprechenden Öle werden mit dem Schlauch aus Vorratstanks direkt zugeführt. Besondere Ölsorten reichen die Mannen aus dem Untergrund nach oben. Bezahlt wird in der Zeit des abtropenfens vom alten Öl. Wenn alles aufgefüllt ist, wird einem der Peilstab zur Kontrolle gezeigt. Das Tor vorne öffnet sich und man wünscht uns eine gute Fahrt. Der Ölwechsel mit nicht zu übertreffender Effizienz mit vier Fahrzeugen nebeneinander in 35 Minuten haut uns fast von den Socken! Die Bremsflüssigkeit austauschen muss in einem dafür Lizenzierten Garage (Bremsendienst) erfolgen. Die finden wir etwas ausserhalb am Hw. Hier wird die Effizienz nicht so gross geschrieben…

Hier in Prince George biegen wir auf den Hw 97 ab um Dawson Creek im Nordosten zu erreichen. In der Nachbarschaft von Summit Lake fahren wir zur Huble Historic Farm. Herr Huble gründete hier ein Farmbetrieb. Bald bemerkte er jedoch, dass ein Transport und Handelsposten viel mehr gefragt wurde. Zusammen mit demKompagnon Seebach transportierten sie Waren in das südliche «Fraser Becken» und besonders wichtig, weiter zum Peace River. Die Flüsse Fraser und Peace kommen sich hier sehr nahe. Erster fliest Richtung Vancouver, der Peace jedoch nach Nordosten zum Athabasca Lake. Nördlich von diesem breiten sich unzählige Flüsse und Seen (grosser Sklavensee) aus, über die der Warentransport der Ureinwohner und Trapper aller Couleur abgewickelt wurde.Die kleinen Blockhütten zum Wohnen und die grossen Scheunen für das Geschäft, das war so etwa der Gedanke. Bis die Frau von Huble aus dem Osten ihrem Mann Nachfolgte. Da wurde flugs noch ein vorzeigbares zweistöckiges Haus dazu gebaut.Inzwischen wurde die «Farm» auch regelmässig von Flussdampfern angelaufen und die Bedürfnisse steigerten sich. Huble baute weiter, jetzt einen grossräumigen Laden. Seebach widmete sich mehrheitlich den Ferntransporten über Wege die sie teils selber anlegten. Der Ausbau der Strassen und der Eisenbahn veränderte alles und der Handelsposten wurde wieder zur (kleinen) Farm. Heute halten die Gemeinden der Umgebung und BC mit der Erinnerungsstädte die Tatkraft der Pioniere hoch. Im Bear Lake CreekRV Park beschliessen wir den ereignisreichen Tag.

Der Nieselregen ist in Dauerregen übergegangen. Die Ereignisse bleiben bescheiden und wir freuen uns am Grizzly und etwas später am Schwarzbär der für Abwechslung sorgt. Wenn es die Regenwolken zulassen, bestaunen wir die Hart Ranges und nach deren Durchquerung kommt wieder etwas Staunen aufs Gesicht. Der (hässliche) Ort Chetwynd rühmt sich, das Eldorado der Motorsägenschnitzerei in Nordamerika zu sein. In der Tat sind bessere und schlechtere Figuren über das Zentrum verteilt. Das Erinnerungsfoto ist umständlich zu schiessen, sind doch gerade Strassenbauer in vollem Einsatz. Der Wald wandelt sein Aussehen, es sind immer mehr Laubbäume die den Farmen als Wind und Sichtschutz dienen. Die ersten ausgedehnten Getreidefelder machen durch sanftes grün auf sich Aufmerksam. Im RV Park (Camper Stellplatz) von Dawson Creek reservieren wir zwischen US Amerikanern einen Platz und fahren weiter ins Zentrum um unseren Vorrat an Lebensmittel, Benzin und Wasser aufzufüllen.

Vor der Weiterfahrt versuchen wir am legendären Km 0 des Alaska Highway ein vernünftiges Foto zu knipsen. Nun sind wir auf diesem bekannten Hw unterwegs, eine besondere Stimmung kommt auf. Zuerst jedoch fahren wir entlang von Holzindustrie und vorbei an unzähligen Getreidesilos bis ans Ende der Stadt. Hier im Walter Wright Pioneer Village lassen wir uns wieder von der Vergangenheit einfangen. Es ist ähnlich wie das Ballenberg Museum zu Hause. Diverse Häuser und Hütten aus der Umgebung von Dawson Creek wurden zu einem Pionierdorf zusammengefasst. Kirche, Feuerwehrdepot, Tanzhalle, Wohnhäuser, Blockhütten und Geschäfte geben eine gute Sicht in die Gründerzeit der Stadt. Besonders interessant die Baytree Hall, hier wird in einer Sonderausstellung das Erbauen des «Alaska Highway» beschrieben und mit originalen Filmdokumenten dargestellt. Zum Verständnis: die USA und Kanada befürchteten 1943 einen Angriff auf Alaska durch die Achsenmächte unter der Führung Japans. So wurde eine Nachschubpiste durch die damals noch unerschlossene Landschaft «gepflügt»: 2'500km in nur 8 Monaten. Später wird diese Piste zur Strasse und dient der Entwicklung der ganzen Region. Heute ist es eine Traumstrasse durch wunderbare Landschaften die viele Touristen aus aller Welt anzieht. Bald einmal stellen wir die heutige Entwicklung fest. Das Farmland wird weniger, der Wald wird wieder mehr. Die Holztransporter machen ihr Rennen und in Fort St. John sind es die Öl und Gasfelder die den Takt vorgeben. Links und rechts der Strasse sind unzählige Gasfelder die erschlossen werden. Entsprechende Zulieferer und Transporteure machen ihr Geschäft von dieser Stadt aus. Es werden Betriebe, Hotels und Unterkünfte für die Arbeiter buchstäblich aus dem Boden gestampft. Es reicht nicht, also sind ganze Quartiere mit Containersiedlungen entstanden. Für uns sehr lästig ist das hohe Verkehrsaufkommen, vorbei das beschauliche Reisen, Time ist Money und wehe wenn du einem LKW im Wege stehst, dann lässt er sein Kuhhorn brüllen. Bis hinauf nach Pink Mountain ist der Alaska Hw definitiv keine Traumstrasse mehr!

Aber dann meldet sich die Natur mit ihrer schönsten Seite zurück. Ein tierischer Tag zum Träumen, 7 Schwarzbären, 2 Bison, Elche, 2 Karibu und ein paar Gemsen. Berge mit weissen Kuppen und riesige Wälder, bis kurz vor Fort Nelson. Hier wüteten vor 10 Tagen Waldbrände und es mussten viele Bewohner aus ihren Häusern fliehen. Im Zentrum gibt es nur Brandgeruch, das Elend passierte in den Aussenquartieren. Da sind die Häuser oft in den Wald gebaut und das Feuer kann fast ungehindert seine Zerstörung verbreiten. Häuser und Höfe die frei stehen haben das Inferno überlebt. Die Feuerwehr bekämpft immer noch Brandnester. Um die Arbeit nicht zu stören musste 8km im Konvoi gefahren werden. Die Berge werden wieder enger und die Strecke über den Summit Pass ist für einmal eine richtige Bergstrasse. Am Muncho Lake können wir ein schönes Plätzli direkt am See ergattern. Zwei Stunden später ist der Platz voll belegt. Früh den Platz für die Nacht suchen lohnt sicherlich. Zum ersten mal machen wir ein Lagerfeuer und können die nur wenig angebrannten Würstli vom Grill geniessen. Anderntags sind wir spät on-Tour und kommen gar nicht so recht in die Gänge. Am Liard River, bei den heissen Quellen, beschliessen wir schon um halb zwölf Feierabend zu machen und ein warmes Schwefelbad zu geniessen. Es ist alles ganz einfach gehalten und das warme 40°C Wasser löst die Gelenke prima und macht Lust auf ein Nachmittagsnickerchen. Derweil backt Theres einen feinen Apfelkuchen im Gasbackofen und den werden wir nun mit Genuss verspeisen…