2026

Nordamerika - 18. Teil - USA - NV, CA & Mexico - Baja California

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veröffentlicht am

06.02.2026 - 26.02.2026

Start ins ungewisse… Früh am Morgen mit dem eigenen Auto nach Hedingen zu Urs. Das ältere Auto ist mit einer konventionellen Handbremse ausgerüstet, immer noch eine Bedingung für Lernfahrten. Enkel Lionel kann also in unserer Abwesenheit mit Beistand fleissig üben. Für uns ist so die Reise an den Flughafen bequem und wir können Urs noch für eine Stunde bei uns haben. Bis in den Flieger verläuft alles wie am Schnürchen. Dann verzögert sich der Start wegen Luftraumüberlastung. Mit einer Stunde Verspätung werden wir sanft in die Lüfte gehoben. In guten Sitzen, mit einem angenehmen Raumgefühl ohne Zugluft, entschweben wir nach Los Angeles, wirklich ein angenehmes Flugzeug der neue 777 der Swiss! Pünktlich kommen wir an und bei den Einreiseformalitäten kommen wir in den Genuss eines «graue Haare Bonus». Freundlich werden wir aus der Masse ausgesondert und am Behindertenschalter abgefertigt, sehr nett! Der Weiterflug soll ab Terminal 7 erfolgen. Für uns ein Fussmarsch von 40 Minuten und einiges an Fragerei, bis wir am richtigen Gate sind. Theres hat dann noch Pech bei der erneuten Sicherheitskontrolle, immer wieder muss sie erfolglos durch den Scanner und wird dreimal abgetastet, bevor wir in den Flieger gelassen werden. 45 Minuten dauerte der Flug zurück nach Las Vegas, wo uns der Infoschalter den Hotelbus bestellt, wiederum sehr freundlich. Nach dem langen Tag geniessen wir die grossen und komfortablen Betten.

Mit dem Taxi fahren wir zum Einstellplatz unseres Dodgli. Den junge Fahrer können wir Überzeugen, in das gesicherte Gelände zu fahren und zu warten bis der Dodgli läuft. Hastig hänge ich die beiden Batterien ans Bordnetz. Dann die Zündung einschalten, einen Moment warten, etwa ein viertel Gas geben, am Schlüssel drehen und, welch ein

Wunder, der Motor springt an als hätten wir ihn gestern hier abgestellt! Wir sind sehr erleichtert, sogar der Taxifahrer strahlt mit uns um die Wette! Wir sind in Hochstimmung, es ist nichts beschädigt und es ist kein Wasser eingedrungen, unsere zweite grosse Sorge. Der erste Weg führt uns zu einer Autowaschanlage. Da müssen wir etwas herum kurven, bis wir für unser hohes Fahrzeug eine geeignete finden. Etwas abseits, bei den Latinos, können wir waschen und den Reifendruck kontrollieren. Nachdem der Dreck vom Fahrzeug abgewaschen ist, trauen wir uns bei einem grossen Supermarkt vor zu fahren. Da wird das Einkaufswägeli ruck zuck voll. Das Einräumen verschieben wir, bis wir über die Strasse einen Platz auf dem KOA Campingplatz erobert haben. Den rest des Nachmittags wird das Wassersystem durchgespült, Kühlschrank und die Heizung geprüft und eben all die Einkäufe und Kleider verstaut.

Vor Sonnenaufgang wird es recht kühl und wir sind froh über unsere Heizung. Die erste Hälfte der Nacht schlafen wir wie tot, es war halt schon etwas Stress gestern. Gegen Morgen stören die immer wiederkehrenden Sirenen von Einsatzfahrzeugen die am Platz vorbei fahren, richtig ärgerlich. Nach dem gemütlichen Frühstück werden noch vergessene Einkäufe erledigt. Dann sagen wir der Spielerstadt ade und wenden uns nach Süden, auf den Highway. 95. Dieser führt durch die immer noch trockene Mojave-Wüste. Bei Searchligth, einem ehemaligen Minenstädtchen, fahren wir nach Osten, hinunter zum aufgestauten Colorado River. Es gibt hier am Lake Mohave ein nationales Erholungsgebiet mit Campingplatz. Alle staatlichen Einrichtungen sind etwas in die Jahre gekommen und sehen «verstaubt» aus. Die Bezahlstelle ist verwaist und abgeschlossen. Unseren Platz müssen wir beim Laden des Hausboothafens bezahlen. Hier sind wir eindeutig ausserhalb der Saison angekommen, entsprechend ist es ruhig. Ein Abendspaziergang an den Stausee und wir lassen es gut sein.

Es geht gemütlich zurück an die 95er und weiter Südwärts. Auf der Höhe von Goff folgen wir den Schildern auf die alte Route 66, nach Westen. Leider ist die Strasse schon in Fenner unterbrochen und wir müssen auf die Interstate 40 ausweichen. Fenner ist eine «Gosth Town» in der Geisterstadt hat nur ein Cafe mit Tankstelle überlebt, alles andere, auch die Schule ist verfallen. Am Interessantesten sind die Züge die hier nahe der Ortschaft vorbei, nein nicht donnern, sondern eher schleichen. Das ist nicht verwunderlich bei 100 Güterwagen die Container im Doppelstock geladen haben. Vier Lokomotiven ziehen diese Güterschlangen nach Osten und Westen, sehr Eindrücklich. Die Interstate 40 verlassen wir bei der Abfahrt Amboy, hier fahren wir für eine kurze Strecke wieder auf die 66er. Entlang einer Gruppe von Salzseen kommen wir weiter nach Süden zum Joshua Tree Nationalpark. Das Besucherzentrum finden wir nur mit Mühe, da von Westen kommend kaum etwas angeschrieben ist. Dafür werden wir durch eine nette Rangerin sehr gut und umfassend beraten. Am späten Nachmittag fahren wir in den Park, mit einer Übernachtungsmöglichkeit auf dem Hidden Valley Campground. Da stellen wir vorerst die Stühle auf unseren Platz und machen anschliessend noch eine kleine Fahrt bis hinauf zum Keys Aussichtspunkt. Die Unterschiedlichsten Kakteen sind Eindrücklich und oft sehr schön anzusehen. Einige sind auch am blühen, zusammen mit unterschiedlichen Wüstenblumen. Leider ist die Aussicht durch trübe Wolken beeinträchtigt, aber einen Spaziergang durch die Flora ist interessant.

Wieder sind wir froh über unsere Heizung. Den hier auf 1300 MüM ist es am Morgen kalt. Nach dem Aufwärmen und Frühstücken beginnen wir schon bald mit den Fahrten zu verschiedenen Punkten im Park. An der Wall Street Mill unternehmen wir eine kleine Wanderung bis zu einem Grabstein des ehemaligen Farmers. An dem Platz wurde er vom Nachbarn erschossen, da er sich weigerte diesem Land (Sand und Steine) zu überlassen. Es brachte dem Mörder nichts, er wurde bis zu seinem Tod ins Gefängnis gesteckt. Das haben wir nicht etwa geplant, sondern wir sind zufällig auf diesen Ereignispunkt getroffen als wir beschlossen umzukehren. Das Gebiet des Nationalparks war vor dessen Einrichtung Farmland, allerdings sehr dürftiges. Der nächste Spaziergang führte uns um den Cap Rock. Auf dem Pfad wird so einiges über die Fauna erklärt. Das Interessanteste Detail erfahren wir hier über den Joshua Tree (Baum). Meistens wird angenommen, dass diese Pflanze ein Kaktusbaum sei. Es ist aber kein Kaktus sondern eine Variante der Jucca Pflanze. Also eher ein Juccabaum. Den Erklärungstafeln ist zu entnehmen, dass im Park noch weitere Jucca Varianten wachsen. Am schönsten sind die Wälder der Joshua Tree im Hidden Valley bis hinauf zum Sheep Pass. Auf der anderen Bergseite stösst man bald auf den Cholla Cactus Garden. Der Cholla Cactus ist hier die alles beherrschende Pflanze. Nach meinem dafürhalten macht sie den Kakteen keine Schande, der etwa eineinhalb Meter hohe und sehr verzweigte Kaktus ist ein Schmuckstück der in diesem Bereich des Parks seine idealen Bedingungen findet. Am Südende des Nationalparks, bei Cottenwood Spring, wollten wir den Tag beschliessen. Aber die Ranger hier sind nicht auf unbedarfte Ausländer eingestellt und geben eher unwillig Auskunft über die Möglichkeiten. Wir sollen unseren Übernachtungsplatz selber im Internet buchen. Spannend, um Empfang zu haben müssen wir bis an die Parkgrenze fahren. Das machen wir und wie wir Empfang haben, suchen wir für einen Platz ausserhalb. Siehe da, gleich an der Parkgrenze hat es BLM Land. Auf diesem, dem Staat gehörenden Land, darf jeder der die Regeln einhält gratis Übernachten. Das nutzen wir und einige andere Durchziehende gerne für diese Nacht.

Nach der angenehmen Nacht fahren wir wieder in den Nationalpark. Hier können wir unser Schmutzwasser abgeben und noch wichtiger, frisches Wasser bunkern. Wieder ausserhalb geht es ein paar Kilometer nach Osten. Ich entdeckte auf der Karte ein Museum des Generals Patton, einer Legende des zweiten Weltkrieges. Es ist mir etwas peinlich zu gestehen, dass mich das sehr Interessiert. Das reicht zurück in die Zeit auf der Schifferschule in Kleinhüningen, da war die einzige visuelle Entspannung im Kino möglich. In der Revolverküche des Kleinhüninger Kinos war der Wüstenkriegsfilm General Patton gerade der Hit. Und hier in der Mojave Wüste gibt es ein Museum von meinem Jugendhelden, dass muss ich mir anschauen! Nun, für Interessierte ist es recht anschaulich und hat viele Infos zur Geschichte, zumindest für diesen speziellen Ausschnitt. Ganz neu war die Info, dass die US Armee vor ihrem Eingreifen in Nordafrika ein halbes Jahr eben hier in der Mojave Wüste intensive Ausbildung betrieb. Genug der alten Geschichten, wir fahren Südwestlich weiter, durch sehr gepflegte und blumenreiche Vororte von Palm Springs. Auf dem Highway 79 geht es dann hinauf in die San Bernadino Berge. In einem Camp des National-Forrest, zwischen gut gewachsenen Douglasien, erreichen uns die ersten Regenschauer der Reise.

Es war richtig kalt letzte Nacht, aber der blaue Himmel entschädigt uns. Bevor wir weiter nach Süden gondeln, spazieren (oder humpeln) wir noch etwas durch den Wald. Nach ein paar hundert Meter fehlen die tollen Bäume, offensichtlich wurden die Douglasien «geerntet» und jetzt machen sich Büsche breit, schade. Die Fahrt bleibt abwechslungsreich, in einer voralpinen Landschaft. Gegen Mittag kommen wir ins Städtchen Juliane, 1880 gegründet von Goldsuchern. Der Goldrausch war schnell vorbei und die Sesshaften wenden sich der Landwirtschaft zu. Das Städtchen hat sich sein «Western Flair» erhalten und so spielen heute Apfelmost und Tourismus die wesentlichen wirtschaftlichen Standbeine. Bestätigen können wir die gute Qualität der italienischen Pizzeria. Auf der 79er geht es weiter bis an den Morena Lake, wo wir im State Park Station machen. Etwas früh, so wird die Zeit genutzt zum einkochen von Gemüse und Fleisch, beides darf nicht roh nach Mexiko eingeführt werden. Es gelingt auch der Abschluss einer mexikanischen Auto Versicherung im Internet.

Heute morgen machen wir als erstes uns und das Auto zurecht für den Gang über die Grenze. Auf dem Weg macht der Highway einen grossen Bogen nach Süden, so kommt überraschend die Grenzmauer in Sicht. Beklemmend, es erinnerte an die «Zonengrenze» in Deutschland. Gut dass die Mauer schnell ausser Sicht kommt. Vorbei an grossen Speditionen und deren Umschlaghöfen stehen wir unmittelbar am Zollhof von Telcate. Vorfahren zum Stopp, dann Fotos von allen Seiten des Fahrzeugs, danach Schranke hoch und man ist im Zollhof. Freundlich werden wir in eine Parkbucht beordert, der mexikanische Beamte verlangt Einsicht in das Fahrzeug und Auskunft über unser Reiseziel. Es hat kaum Platz im Hof, so werden wir für die weitere Abfertigung in das anschliessende Stadtviertel zum Parkiren delegiert. Etwas hilflos machen wir uns in der nahen Umgebung der Grenzabfertigung auf die Suche nach einem Parkplatz. Vor der Post, im für Kunden reservierten Platz werden wir von einer netten Dame toleriert, wir sollen uns aber mit der Abfertigung beeilen! Schnell Pass und Autopapiere unter den Arm klemmen und zurück zur Einreisekontrolle. Jetzt geht es also «Rückwärts» wieder über die Grenze. Damit alles seine Ordnung hat werden wir in ein Buch eingetragen und bekommen eine Nummer um den Hals gehängt. Dann geht es folgendermassen weiter: Passkontrolle, Touristengebühr im Nebengebäude bezahlen, zurück zur Passkontrolle, Einreisestempel und gestempelte Touristenkarte ausgehändigt, zurück zur Bezahlstelle und Fahrzeugsteuer mit Fahrgenehmigung beantragen, lange warten, bezahlen, Internet zusammengebrochen, nur Bar bezahlen möglich, ja in US$, ja geht auch, warten bis Kurs ausgerechnet, ein Formular für elektrische & magische Geräte im Wohnmobil ausfüllen, Bezahlen, ausgehändigte Papiere kontrollieren, zurück zum Start und Nummer abgeben… Willkommen in Mexiko! Alle waren sehr freundlich und hilfsbereit, es ist wie es ist... Zurück beim Auto ist klar, wir brauchen genügend Bargeld. So kurven wir los ins nahe Stadtzentrum und finden auf Anhieb eine Wechselstube. Die Vorliebe für Stempel und Papierchen ist offensichtlich, so drucken wir im nächsten Copy Shop (das gibt es hier noch) die Autoversicherung vom Handy in schönes A4 Format. Und da um die Ecke auch ein Bank ihren Charme versprüht ziehen wir noch etwas mehr Bargeld, man weiss ja nie. Solchermassen gerüstet machen wir uns auf die Baja California zu erkunden. Auf der Ruta 3 Südwestwärts nach Ensenada an die Küste. Mit grossen Augen sind wir Unterwegs und staunen über so vieles: Die recht hohen, grünen Hügelzüge, dass wir auf der Weinstrasse Mexikos fahren, die lebendige Landwirtschaft, die wenigen schönen Häuser, die vielen abenteuerlichen Unterkünfte, die überraschenden Löcher in der Strasse, das grosse Verkehrsaufkommen, die Möglichkeit auf der zweispurigen Strasse zu vierspurig voran zu kommen, Stopp Schilder auf der Hauptstrasse wo alle wirklich stoppen, Höchstgeschwindigkeit ausserorts die kaum einer beachtet, LKW unterwegs mit zwei grossen Container, Schwellen auf der Strasse die beim zu schnellen Fahren das Auto «fast» zusammenbrechen lassen. Kaum zu glauben, dass wir in Ensenada ankommen und so richtig den Feierabendstau «geniessen» können. Es ist noch Tag als wir beim Touristenziel «La Bufadora» ankommen und einen überteuerten Campingplatz belegen. Die Aussicht hinunter an die Pazifik Küste entschädigte etwas den Preis.

Dieses «La Bufadora» scheint ja die Attraktion von Ensenada zu sein. Wir fahren bis zu den ersten Souvenier- und Ramschkiosken, wo wir vom Weg auf den Parkplatz gewunken werden. Durch diese Hohle Gasse muss er kommen, der Tourist! 500 Meter lang wird alles daran gesetzt, dass er Geld liegen lässt. Wir versuchen mit Charme diesem Ansinnen entgegen zu halten. La Bufadora ist eine lang gezogener Schlund im Küstenfelsen. Am oberen Ende eingeengt, werden die grossen Wellen des Pazifiks hinauf gepresst und entladen sich in einer Fontäne. Jetzt bei Ebbe nicht gar so spektakulär, bei Flut spritzt das Wasser auf die Aussichtsterrassen. Die Regelmässigkeit wie die Wogen an die Felsenküste donnern ist beeindruckend. Für uns heisst es bald, den Spiessrutenlauf zurück durch die Händler zu überstehen. Keine fünf Minuten zu früh, schon bringen grosse Reisebusse die ersten Kreuzfahrttouristen aus dem Hafen von Ensenada.
Die Mex 1 bringt uns weiter nach Süden. Entlang der Strasse sind sehr viele Treibhäuser aufgebaut. Nicht wenige der Gemüse-LKW haben Nummernschilder aus den USA. Wohl dass Endziel der Produkte. Auf der Höhe von San Antonio del Mar nehmen wir die Piste zu unserem heutigen Endziel.

Gut ausgeruht kommen wir zurück an die grosse Strasse. Bei San Telma geht es links ab in die Berge. In 100km soll der Nationalpark Sierra de San Pedro Martir erreicht sein. Eine schöne Fahrt, es hat kaum Verkehr und die Landschaft ist abwechslungsreich und Interessant. Die spärliche Vegetation erlaubt Weidebetrieb und in den abwechselnden Hochtälern wird weiteres Futter für die Tiere angebaut. Das erstaunt den Mitteleuropäer, sie bauen im Winter für den heissen und trocken Sommer das Futter an. Es geht gleich weiter mit Staunen: haben wir in den Alpen ab 1800 MüM kaum mehr Bäume, beginnt hier auf 2300 MüM der Wald mit grossen Pinien und Douglasien bis hinauf zu den Gipfeln. Nur gut dass diese im NP stehen! Sonst währen sie schon längst abgeholzt! Zurück auf ca. 1600 MüM, auf Rancho Meling können wir als einzige Gäste den Campingplatz benützen.

Weiter Südwärts verläuft die Mex 1 nahe der Pazifikküste. Die Niederschläge der letzten Wochen spülten viele Sand und Erde in die Dörfer, wo der Verkehr für kräftige Staubwolken sorgt. Der Staub hängt in den Strassen, dringt in die Geschäfte und ins Auto, ekelhaft. In der kleinen Stadt San Quentin können wir Proviant, vor allem Trinkwasser, besorgen. In El Rosario verlassen wir vorerst den Küstenbereich und es geht Ostwärts, hinauf in die Berge. Die Strauchwüste ändert ihr Aussehen, es sind immer zahlreichere Kakteenarten die in der rauen Landschaft gedeihen. Es werden immer mehr und eine Art wird gigantisch gross. Es macht Spass durch die Natur zu gehen und die Kakteen zu bewundern. Schön vorsichtig, sie haben alle eindrückliche Stacheln! Es ist offensichtlich, die Kakteen brauchen einen geeigneten Standort um so intensiv zu gedeihen! Auf Meereshöhe findet man sie kaum. Bei San Augustin erreichen wir eine lang gezogene Hochebene, das Wetter schlägt um und es beginnt zu regnen. Entlang der Strasse ändert das Bild von neuem, sehr grosse runde Steine beherrschen die Umgebung. Als hätten Riesen diese in der Landschaft verteilt, aufeinander geschichtet und mit Kakteen geschmückt. Catavina Boulder Field steht auf der Karte. Auf der Rancho Santa Inez können wir uns für die regnerische Nacht einrichten.

Die Strasse scheint heute endlos schnurgerade durch die Sträucher und Kakteen zu führen, Kilometer an Kilometer. Die wenigen Dörfer scheinen verlassen zu sein und nur der Kontrollpunkt der Armee bringt wirklich Abwechslung, nicht zuletzt da hier für wenige Kilometer das Handy Verbindung anzeigt. Aber es hilft nicht für Nachschub an Treibstoff, die letzte angegebene Tankstelle ist schon lange geschlossen. Endlich ein neues Schild mit dem Hinweis auf die Tankstelle in 130km, dass ist zumindest eine Ansage und nährt die Hoffnung. Dann kommt die Tankstelle der PEMEX in Sicht und die Steine purzeln von den Herzen… Es ist in etwa das erste Gebäude nach der Provinzgrenze zu Baja California Sur. danach kommt ein Armeestützpunkt und die guten Wünsche für die Reise, quer über die Strasse gespannt. Danke, lieber hätten wir ein paar verlässliche Hinweisschilder, zu Tankstellen würde ich vorschlagen. Mit dem Überschreiten der Grenze sind wir auch im Naturreservat La Ballena Gris angekommen. Es liegt quer zur Baja und hat hunderte Kilometer Küstenlinie, die dem Schutz der Grauwale und allen anderen Meeresbewohnern dient. Hier in Guerrero Negro biegen wir ab um das Santuario de ballineas zu erreichen. Eine Piste führt uns durch eine grosse Salina an die Laguna Ojo de Liberi. Mit einigen anderen Übernachten wir auf dem zugehörenden Campingplatz.

Recht früh finden wir uns im Zentrum für Grauwal-Touren ein. Zuerst sind wir froh, es scheinen heute Morgen nur 6 Personen an den Meeressäugern Interesse zu haben. Beim warten erkennen wir weit draussen die Wasserfontänen von blasenden Walen. Beruhigend, sie sind also tatsächlich in der Bucht. Aber oha lätz, unerwartet geht es rund wie in Texas, treffen doch noch ein paar Touristenbüssli ein. Als wir in die Bucht hinaus fahren (preschen), sind alle sechs Boote voll besetzt. Nach einer Viertelstunde trifft unser Boot auf die ersten dieser Meeresriesen und alle sind beeindruckt, begeistert und total euphorisch. Es wird gesteigert durch Grauwale, die sich Kopf voran aus dem Wasser heben. Einige Springen auch aus dem Wasser und klatschen richtiggehend zurück ins Meer. In der Regel kommen sie aber an die Oberfläche, blasen die Luftlöcher frei, holen frische Luft und tauchen wieder in die Tiefe. Sie sind dauernd in einer eleganten Schwimmbewegung und fressen so den Krill und andere kleine Lebewesen die ihnen ins Maul gespült wird. Ganz aus dem Häuschen sind wir an Bord, als Mutterwale mit Jungen in Sicht kommen. Das Junge hält sich immer an der Seite der Mutter, auf der von uns abgewendeten Seite. Natürlich will man diese Bilder auch festhalten, aber es ist nicht einfach! Die Tiere melden sich ja nicht an wenn sie an die Oberfläche kommen, oder gar springen. So ist ein gelungenes Foto eine Glückssache. Die Zeit geht schnell vorbei und mittlerweile sind wir weit draussen in der Bucht. Der Wind ist aufgefrischt und die Wellen sind deutlich kräftiger. Beim zurück «rasen» springt das Boot hart über die Wellen und es staucht den Rücken brutal zusammen! Nach diesem einmaligen Erlebnis kommen wir nicht mehr sehr weit. Begleitet von immer wiederkehrenden Air Bag Alarmen unseres Autos, erreichen wir noch einen Platz in San Ignazio.

Der erste Weg führt uns heute zu einer Wasseraufbereitungsfirma im Ort. Gegen geringe Gebühr können wir unseren Tank mit geprüftem Trinkwasser befüllen. Auf Bestellung wird es in 25l Flaschen an Haushalte geliefert. Die Mex 1 führt durch imposante Kakteenlandschaft hinauf in die Berge. Nach einer kurzen steilen Abfahrt sind wir in Santa Rosalia, am Golf von Kalifornien. Das Wasser ist ruhig und schafft starke Kontraste zur Wüstenlandschaft. In Santa Rosalia wird bis heute in alter Tradition Bergbau betrieben. Das Städtchen selber präsentiert sich gut gepflegt, mit vielen einfachen, kleinen Häusern, zum Teil aus angemaltem Wellblech. Weiter geht es der Golfküste entlang nach Süden. Es folgt der Landschaftlich schönste Teil der Baja. Es geht rauf und runter, an Buchten mit kleinen Stränden vorbei. Viele sind mit Nordamerikaner belegt, die hier an der Sonne den Winter verbringen. Die Bahia Concepcion ist die grösste und ansprechendste. Loreto, die älteste Stadt in der Baja überzeugt mit seinen Gärten und der in 1697 erbauten Jesuitenkirche, so dass im Hafen auch Kreuzfahrtschiffe vor Anker gehen. Dann wird es sehr eng in der kleinen Stadt, die ein Hurrikan 1829 so stark beschädigte, dass der Hauptsitz der Provinz Regierung nach La Paz verlegt wurde.

Eine fantastische Fahrt bringt uns in die abgelegenen Berge rund um San Javier. Seit die Jesuiten hier 1699 eine massive Mission und Kirche gebaut haben, hat sich kaum etwas verändert. Die gute Strasse bringt heute Touristen in den Ort, das sichert das wirtschaftliche Überleben. Die Jesuiten brachten auch Wein und Oliven mit, beide werden weiterhin angebaut und verarbeitet.

Die malerische Küste bleibt bis unterhalb Puerto Escondido. Danach werden wir wieder quer durch Halbinsel nach Ciudad Insurgente geführt. Unvermittelt endet die Kakteensteppe und beidseits der Strasse wird intensiv bewässert und Landwirtschaft betrieben. Ein grüner Genuss für das Auge bis weit unterhalb der Stadt Ciudad Constitucion. Nach den Mais und Kartoffelfeldern wird es recht eintönig. Wir sind froh, als die Bucht von La Paz in Sicht kommt. Erstaunlich wie es der Navi-App Mühe bereitet den von uns angepeilten Maranathan Campingplatz zu finden. Erste Hitze Beschwerden des Handy? Das brauchen wir jetzt nicht, wo doch der Air Bag Alarm endlich wieder Ruhe gibt.

Der Platz ist der beste seit wir Las Vegas verlassen haben. Entsprechend wird geputzt und gewaschen das es eine Freude ist. Das Tagesgeschäft heute ist Einkaufen im amerikanischen Supermarkt, die Fähre für das Festland bestellen, ein gutes Sonntagsessen gönnen und mit unseren zwei Nachbarn aus der Schweiz Reiseerfahrungen austauschen. Mit Bestürzung hören wir am späteren Nachmittag von den kriminellen Ereignissen auf dem Festland Mexikos. Ausgerechnet jetzt wo wir die Fähre gebucht und bezahlt haben… Es herrscht eine ratlose Stimmung unter den Reiselustigen aus Europa.

Bevor wir uns auf den Weg machen, plaudern wir ausgiebig mit den Luzernern Regula & Phillip. Es gilt noch den Südzipfel der Baja zu umrunden und einige der «einmaligen» Plätzchen an der Küste zu finden. Wir sind nicht ausgerüstet um Fahrten im Sand zu unternehmen, entsprechend finden wir diese Plätzli nicht. Eigentlich ändert sich die Landschaft nicht, nur der Staub und der Verkehr nimmt zu. Stichstrassen enden vor Golf Ressort oder Hotelanlagen, Camper sind nicht vorgesehen. Enttäuscht erreichen wir am frühen Nachmittag Capo San Lucas, das südliche Ende der Baja. Endlich ein zugänglicher Strandabschnitt, zwischen zwei grossen Hotelanlagen in der Mündung des ausgetrockneten Flusses. Da voraussichtlich bis November kein Niederschlag mehr fällt, stellen wir hier unseren Dodgli ab und spazieren zu einer Strandbude. Im Strandabschnitt ist einiges los, Boote aller Arten fahren um die Wette hin und her. Im tiefen Wasser liegen zwei Kreuzfahrtschiffe, die mit ihren Transferbooten zusätzlichen Betrieb verursachen. Einer der grossen Pötte liegt direkt vor dem als Naturmonument ausgewiesenen Felsengruppe und versperrt die Sicht, nicht gerade fein. In der Strandbude genehmigen wir uns vorerst einen Fruchtsaftdrink und beobachten das Geschehen. Später ein paar Häppchen mit Fisch, wir sind ja am Pazifik dem grössten Ozean auf Erden. Mit dem Sonnenuntergang findet das Treiben ein schnelles Ende, nur die Hotelanlagen leuchten weiter um die Wette.

Heute Morgen sind die zwei grossen Schiffe weg und Therese kann das Foto «Felsen im Wasser» nachholen. Das Verkehrsaufkommen ist gross, als wir nach Norden weiter fahren. Die Küste ist weiterhin verbaut und kaum zugänglich. Der Traumcampingplatz mit Meeresstrand bleibt trotz intensiver Suche ein unerfüllter Traum. Wir sind nicht bereit, unser Reisebudget über die Massen zu strapazieren. In Badeort Los Barilles, auf halber Strecke zu La Paz, schliessen wir mit unseren Finanzen einen Kompromiss und mischen uns unter trinkfeste, sonnenhungrige Nordamerikaner und ihre Hunde. Der Strandbesuch entschädigt, es sind die Skysurfer die ein Schauspiel der besonderen Art bieten. Auffallend die vielen älteren Herren, die versuchen mit ein paar Jungen mit zu halten. Bei Sonnenuntergang werden die Surfer von den unterschiedlichsten Fahrzeugen abgelöst, die sich auf dem Sandstrand in Szene setzen. Besonders Unterhaltsam wenn sie sich festsetzen und die holde Damenbegleitung sich im anschieben bewähren muss…

Wir werden mit diesen Küsten und deren Bewohner einfach nicht warm. Nach einem ausgiebigen Frühstück geht es weiter Richtung La Paz. Die Strasse führt hinein in die Sierra de la Laguna. Die höchste Erhebung ist deutlich über 2000 MüM, also «richtige» Berge. Am Weg liegen alte Bergbaustädtchen, San Bartolo, San Antonio, und El Triunfo. Sie haben einen besonderen, recht verschlafenen Charme. Insbesondere San Antonio, das seine Strassen mit Flusssteinen gepflästert hat, macht den Eindruck dass die spanischen Eroberer erst gestern abgezogen sind. Zurück in La Paz sichern wir uns ein Plätzli auf dem besten Campingplatz der Baja! Den Rest des Nachmittags verbringen wir diversen Reparaturen, so müssen wir leider die Innenraumbatterie austauschen. Dank der hohen Nordamerikanischen Präsenz ist eine neue direkt verfügbar. Erstaunlich, auch hier in Mexiko gibt es eine alt für neu Regelung, bei der Rückgabe der alten Batterie erhält man eine Kostenerstattung…

Heute ist der letzte Tag auf der Baja. Es wird geputzt, eingekauft und gewaschen. So werden wir morgen in alter frische mit der Fähre den Golf überqueren. Eine Unsicherheit verursacht immer noch die Lage in diversen Provinzen von Festland Mexiko.