Nordamerika - 19. Teil - Mexico
von Theres & Danielveröffentlicht am
27.02.2026 - 16.03.2026
Recht früh stehen wir am Fährhafen und lassen die Bürokratie Mexikos über uns ergehen. Es ist eigentlich eine Fährverbindung innerhalb des Landes, warum eine Zollabfertigung? Findet die Fähre ab und zu den Weg nicht über den Golf von California oder ist es eine Beschäftigungsmassnahme? Die Abfertigung ist strenger als bei der Einreise ins Land. Zuletzt wird noch eine Hafengebühr erhoben und dann winken uns die vielen Helfer auf dem Platz durch zur Fähre. Das findet der Verlademeister nicht so toll und er lässt uns zwischen LKW-Aufliegern warten. So haben wir den neuen Film «Fähre beladen» direkt vor Augen. Drei Stunden dauert es, bis auch wir mal mitspielen dürfen und dann geht es gleich ganz hinauf, auf das freie Deck im 4. Stock. Bei bestem Wetter verlassen wir die Bucht von La Paz. Beim umrunden der Landspitze kommt ein Wal der Fähre recht nahe, weiter entfernt, unter Land sind weitere Wale am blasen. Am späten Nachmittag, etwa auf halber Strecke, tummelt sich eine Gruppe Delfine in den Heckwellen des Schiffes. Sie zeigen Kunststücke wie von Welle zu Welle springen und dabei seitliche Rollen ausführen. Das dauert alles nur ein paar Sekunden, dann sind sie schon in Formation unterwegs in den Sonnenuntergang. Für uns beginnt jetzt die Zeit der Qualen. Draussen an Deck wird es ungemütlich und wir suchen ein Plätzli im Schiff. In unseren gebuchten Liegesitzen ist es durch die Klimaanlage zu frisch, fast kalt. Im grossen Restaurant macht eine Musikgruppe einen fürchterlichen Radau der nur Mexikaner toll finden. Mit Erleichterung nehmen wir das Ende der Überfahrt war und sind froh unseren Dodgli unversehrt wieder zu finden. In einer kleinen Ralley verlassen die Selbstfahrer die Fähre. Jeder will als erster durch die Ausgangskontrolle. In der Dunkelheit wird es für uns Unbekannte recht schwierig, aber die LKW-Fahrer üben sich in grosszügiger Nachsicht. Die Kontrolle ist jetzt einfach, es wird das Nummernschild fotografiert, fertig. Es ist nachteilig, dass wir so spät ankommen und es hier in Topolobambo keinen Campingplatz gibt. Die LKW fahren weiter oder rechts an die Ausfallstrasse, das finden wir für uns doch etwas zu krass. Theres findet ein Schutzgebiet etwas ausserhalb vom Hafen wo wir auf einer Ausweichstelle fast eine ruhige Nacht verbringen.
Morgens um halb zwei röhrt ein protziger Sportwagen vorbei und muss natürlich so richtigen Radau dabei machen. Zwei Stunden später lässt uns ein lautes, wiederkehrendes Tuten aufschrecken. Mit verschlafenen Augen begreifen wir bald, es ist ein Güterzug aus dem Ölhafen, der uns weckt. Um 8.00h bestaunen wir den Morgennebel und die grüssend vorbeifahrende Gemeindepolizei. In der Ferne auf einem Hügel ist das farbenprächtige ehemalige Fischerdorf Topolobambo in der durchdringenden Sonne auszumachen. Da uns gestern Nacht die angestrahlte Dorfkirche so freundlich den Weg gewiesen hat, ist ein Besuch nicht abwegig. Es wurde ein kleines Abenteuer, den engen Strässchen auf den Hügel zu folgen. Zumindest verwunderte Gesichter waren uns sicher. Leider wurde die Aussicht in die Hafenbucht durch die grosse Zahl an Häuser eingeschränkt. In der Ebene landeinwärts findet sich Öl, Zement und Agrarindustrie. Für weitere wird kräftig und bunt geworben. Auf einer grossen Strasse queeren wir die Grossstadt Los Mochis um danach auf der Autobahn Mex15 Richtung Norden zu fahren. Stauseen halten das Wasser aus den Bergen zurück und ermöglichen eine Intensive Landwirtschaft in den grossen Ebenen. An der Grenze zur Provinz Sonora gibt es einschüchternd aufgezogenen Kontrollen für die «Sicherheit», Strassengebühren und für Agrarprodukte. Da wir recht naiv und unschuldig aus dem Auto gucken, können wir unbesehen passieren. Bald erreichen wir die Abzweigung um in die Hügel hinauf zu fahren. Hier in Los Muertos sind wir wieder einmal in ausgedehnten Weidegebieten. Dank dem Navi finden wir die Gästefarm Rancho Acosta in Alamos.
Ein Wochenende in Mexiko bleibt für uns Mitteleuropäer immer besonders. Unsere Ohren werden dauernd mit extrem lauter Musik drangsaliert. Besonders wenn so ein Musikterrorist immer das gleiche Herz-Schmerz Lied aus seiner wirklich leistungsfähigen Autostereoanlage im Quartier herum verbreitet! Endlich, gegen 3.00h morgens ist der Terrorist endlich auch müde und wir haben noch etwas Ruhe. Am Vormittag machen wir einen Ausflug in den Nachbarort Aduana, ebenfalls ein altes Minenstädtchen mit einer schönen, sehr alten Kirche. Am Mittag sind wir wieder in Alamos, wo der Bär los ist. Viele einheimische Touristen besuchen das mittelalterliche, gut erhaltene Städtchen. Wie der Rundfahrtenbus fahren wir hinauf zum Mirador und lassen den Ort auf uns wirken. Danach ein spätes, traditionnelles Mittagessen, natürlich mit Bohnen. Der ereignisreiche Tag beschliessen wir im Pool des Campingplatzes.
Die Weiterreise führt zurück an die Mex 15, die nach Navojoa auf einer gebührenpflichtigen Autobahn weiter Nordwärts führt. Nach der Umfahrung von Ciudad Obregon wechseln wir auf eine Provinzstrasse, die uns über Rosario nach San Nicolas an die Mex 16 bringt. Die Landschaft ist sehr abwechslungsreich und die Berge der Sierra Tarahumara werden höher und höher. Der Dodgli schnauft und wir halten lange vergebens Ausschau nach einer Übernachtungsmöglichkeit. Endlich, auf einer Hochebene in Yecora sehen wir einige LKWs bei einem Hotel stehen. Theres fragt an der Rezeption nach und tatsächlich, für wenig Geld dürfen wir uns zwischen diese stellen. Natürlich nicht der ganz optimale Platz, aber wir sind ab der Strasse auf privatem Grund und können uns beruhigt dem Feierabend zuwenden.
Etwa dreimal werden wir durch an- oder abfahrende LKWs gestört, die Kaliumkarbonat aus den Minen in der Umgebung holen. Vor Sonnenaufgang sind wir sehr froh um unsere Heizung, gerade mal 4°C zeigt der Thermometer hier auf 2300 MüM. Auf der 16er, der Ruta de la Sierra, geht es weiter durch eine unglaublich schöne und abwechslungsreiche Bergwelt. Es scheint einsam, aber immer wieder tauchen kleine Höfe auf. Die Bevölkerung gehört fast ausschliesslich zum Volk der Tarahumara, ein indigenes Volk, dass sich selber als Raramuri bezeichnet (Fussläufer). Sie sind bemüht, ihre Tradition zu erhalten, entsprechend bunt sind sie gekleidet. Sie Leben trotz der Bemühungen der Kirche, insbesondere der Jesuiten, nach dem Gebot ihrer Götter. So gehören berauschende Feste, wo neben Alkohol auch Drogen von Kakteen konsumiert werden zum festen Bestandteil ihres Lebens. Leider auch Hunger und Krankheit, besonders bei Missernten. In San Pablo Balleza üben die Schüler vom Dorf den berühmten Dauerlauf, dabei werden runde Steine, zehn Zentimeter dick, durch das Dorf getrieben. Wir wollen das näher beobachten und fotografieren, dass passt der Polizei gar nicht. Recht rüde werden wir zur Weiterfahrt genötigt. Grund der Vertreibung: unbekannt, wie so oft bei staatlicher Machtausübung. Bald erreichen wir den Parque National de Basaseachic, ein geschütztes Gebiet rund um den zweithöchsten Wasserfall Mexikos. Das Tor zum Park steht weit offen und wir fühlen uns willkommen. Allerdings ist nur eine Einrichtung mit Cabanas und Campingplatz geöffnet. Die Rancho San Lorenzo. schön im Pinienwald, können wir diesen recht teuren Platz belegen. Auf unseren Einwand zu den Kosten, kommt die prompte Antwort: Es sei halt teuer weil wir im Park die Nacht verbringen, als gäbe es eine Alternative. Wir fahren noch weiter zum Aussichtspunkt La Ventana, einfach tolle Natur rundum! Nur mit der Wassermenge ist es etwas knapp, jetzt in der Trockenzeit. Ab ende Mai soll es richtig den Fels hinunter tosen, 247 Meter tief, damit soll dieser Fall die Nummer 21 auf der Welt sein.
Die Waldluft hat uns gut getan, wir haben herrlich geschlafen. So ausgeruht führt der erste Weg nochmals zum Wasserfall. Dann geht es weiter durch die Sierra Tarahumara, hinunter in Schluchten, danach über den nächsten Bergrücken. Die Wälder werden «bewirtschaftet», soll heissen alles wird abgeholzt was mehr als ca. 15cm Durchmesser hat. Einmal ist ein Waldstück zu sehen das offensichtlich Aufgeforstet wurde, im grossen weiten Rest wird es die Natur richten, hoffentlich. Unvermittelt, auf 2160 MüM, erreichen wir eine weite Hochebene. Apfelbaum (denken wir) Plantagen und Ackerbau wird im grossen Stil betrieben. Als wir auf die Prov. 125 abbiegen werden die Höfe kleiner und es wieder etwas abwechselnder. In Creel finden wir etwas ausserhalb am Lago Araeco in einem indigenen Erholungsgebiet einen guten Platz. (Günstig :-) )
Gut bewacht von drei Hunden verbringen wir eine ruhige Nacht. Auf einer guten Strasse fahren wir an die Kante der Barranca del Cobre (Kupferschlucht) bei El Divisadero. Verschiedene Aussichtspunkte ermöglichen hier ganz tolle Aussichten in drei Schluchten. Der Höhenunterschied soll bis 1800 Höhenmeter betragen. Das Schluchtensystem zählt zu den tiefsten Weltweit. Im Tagebuch steht es deutlich: Einfach Toll! An einer der Aussichtspunkte treffen wir auf Heidi und Werner aus Obwalden. Es gibt viel zu Erzählen und das ist am schönsten mit einem oder zwei Jugo de Lemon im Panoramarestaurant bei der Seilbahnstation, danke es war gemütlich. Wir Männer sind etwas enttäuscht, die Seilbahn wurde durch eine österreichische Firma erstellt… Die Hunde auf dem Platz beim Lago Araeco begrüssen uns mit freudigem Schwanzwedeln, ok, sie bekommen ein kleines Häppchen.
Auf der Ruta Sierra Tarahumara (Prov. 125) fahren wir weiter Südwärts durch die malerische Landschaft. Sehr schön anzuschauen, aber das Leben ist hier sicher nicht einfach. Die kleinen Felder sind auf jedem, zum Anbau geeigneten, Flecken angelegt. Familien bereiten die Böden mit Hacke oder mit einem Pferd und einfachem Pflug für die Aussaat vor. In diesen indigenen Gemeinschaften ist es meist auch sauber und gepflegt, leider trifft es ansonsten nicht Überall zu. In Guachochi gibt uns das Navi einen RV Platz zum Übernachten an. Der Platz ist versifft, hat aber einen neuen abgeschlossenen Sanitätsblock, wir entschliessen uns zur Weiterfahrt. Bald weichen die Berge zurück und vor uns breitet sich ein gewaltig weite Rinderweide aus. Von Horizont bis Horizont, die typische Weide Landschaft mit kargem Bewuchs. Wo Weide ist, ist leider auch ein Zaun. Kilometer um Kilometer gibt es keine Möglichkeit von der Strasse weg zu kommen. (Prov. 124) Dann bei Tule, ein Fleck am trockenen Fluss der nicht eingezäunt ist. Kurz entschlossen fahren wir da hin und stellen uns auf. Die Stühle stehen noch nicht richtig auf der dornigen trockenen Wiese, bekommen wir Besuch vom Eigentümer. Der fragt nach dem woher und wohin und lädt uns zu seinem Haus ein. Können wir Wiedersprechen? Natürlich nicht. Also folgen wir dem Pickup mit seinen drei verwegenen Gestalten… Es lohnte sich voll! Sein Haus entpuppt sich als Laden mit einfachem Restaurant. Das beste: es ist alles schön Eingezäunt. Es ist Ansichtssache, auf welcher Seite des Zauns man steht. Sogar eine Dusche ist vorhanden und wird freudig genutzt. Es ist Sonnenklar, diese freundliche Geste muss belohnt werden, mit Einkaufen, Nachtessen und bezahlen der Dusche. Die Frau des Hauses erzählt, dass sie aus Colorado USA zurück gekommen sind und sich diese Heimstatt in fünf Jahren aufgebaut haben. Wir wünschen das beste für die Familie.
Nach einer gut verbrachten Nacht erreichen wir bald die Mex. 24 und die Stadt Hidalgo del Parrel. Genau ein Monat seit Las Vegas bekommt der Dodgli wieder eine Wäsche. Theres kann endlich wieder das Internet benützen, es machte erhebliche Zicken abseits in den Bergen. Natürlich freuen wir uns auch am gut bestückten Supermarkt, Zivilisation hat schon seine Vorteile. Danach nehmen wir die ca. 600km auf dem Camino Real de Tierra Adentro (Silver Route) nach Durango unter die Räder. Nach geraumer Zeit begegnen uns viele mit Sack und Pack beladene Fahrzeuge, es kommt uns spanisch vor. Bei einem Kontrollpunkt der Armee fragen wir nach. In der Nähe soll ein Heiler Leute gesund sprechen, ist seine Auskunft. Nun geht bei uns ein Lichtlein an, wir haben uns schon ab den vielen Rollstühlen und Rollatoren auf den Autodächern gewundert. Nicht ein Heiler ist für uns von Nöten, aber ein Plätzli vor dem Eindunkeln würde schon passen. Vor Rodeo findet es sich hinter dem Gebäude eines verlassenen LKW Rastplatzes. Die Rinder und Esel der nahen Weide haben keinen Einwand, vermutlich, verstanden haben wir sie ja nicht ;-)
Nach ein paar Kilometern, ausgangs Rodeo, ist eine sehenswerte Kirche zu bewundern. Sie wurde, wie viele andere, zum Dank für eine gute Reise von den Spanier errichtet. Nachvollziehbar bei dem vielen Silber im Gepäck. 1856 ist sie dann in der heutigen Form erbaut worden. In San Juan del Rio, etwas abseits, besuchen wir das Geburtshaus und Museum des mexikanischen Volkshelden General Francisco Villa, genannt Pancho Villa. Der General befehligte die berüchtigte Division Norte in der Revolution von 1910–14. (Bemerkung: General Patton als Leutnant, half mit die «Banditen» zu besiegen, die Revolution war nicht im Sinne der USA). Wie so oft scheiterte die Befreiung des Volkes an den persönlichen Interessen der Anstifter. Sein alter Kamerad Alvara Obregon schlug ihn vernichtend, als Bandit gesucht wurde er 1923 auf offener Strasse ermordet. Das Verkehrschaos von Durango können wir nördlich umfahren und finden einen guten Platz im Balinero San Juan mit seinen warmen Quellen.
«Ruhetag». Waschen, Putzen, Schreiben und feines Brot backen. Das Baden überlassen wir lieber den vielen Kindern…
Auf der Autopista 45 unterwegs nach Zacatecas geht es flott voran. An den zahlreichen Kontrollstellen werden wir freundlich durchgewunken. Die Landschaft ist voller abgeernteter Ackerflecken und Pflanzungen mit Nussbäumen. Es wird hart gearbeitet um mit dem nächsten Regen die neue Saat einzubringen, jetzt ist es Knochentrocken! In Sombereto (Ciudad Magico) fahren wir zur Besichtigung ins Zentrum. Es ist wie es ist, aber nicht magisch. Jedoch schmeckt das Eis und ein paar Früchte können wir auch erstehen. Natürlich auch die Kirche aus dem 17 Jh. bewundern. Es gibt eine Übernachtungsplatz bei einem fünf Sterne Hotel in Zacatecas, der Portier benimmt sich so hochnäsig und unfreundlich dass wir gleich weiterfahren. An der Ruine Quemada sind alle freundlich, aber für die Nacht dürfen wir nicht auf dem Parkplatz stehen. Also weiter um die Ecke, neben einem öffentlichen Weg mit Kühen lässt es sich auch gut schlafen.
Pünktlich sind wir an der Pforte der eindrücklichen historischen Stätte. Ausgerüstet mit Sonnenschutz und Wasser geht es an den Aufstieg. An der Sonnentreppe ermahnt ein neues Schild, dass Menschen mit Behinderungen, Atem- oder Herzproblemen diese nicht begehen sollen. Seit einiger Zeit müssen wir uns auch zu dieser Gruppe zählen. Auf einem Umweg, entlang der Festung, können wir zum Ende der Sonnentreppe gelangen und die Aussicht geniessen. Weiter hinauf, in den Bereich der Priester und Könige, ist es uns wegen der extrem hohen Treppenstufen nicht möglich. Von 400 bis 900 n.C. war diese Stätte das geistige und religiöse Zentrum der Zacateca. Danach ereilte sie das Schicksal so vieler historischen Stätten in Mesoamerika, sie wurden verlassen. Auf der Weiterfahrt Richtung Süden geht es auch deutlich abwärts und die Flora wechselt deutlich. So wird auf den Feldern immer mehr Kaktusfeigen und Agaven angepflanzt. Im Bad Rincon Verde findet sich heute unser Übernachtungsplatz, mit etwas zu viel Mücken…
In den Dörfern unterwegs beobachten wir voll bewaffnete Polizei, die sich als Schülerlotsen an der Hauptstrasse betätigten. Sieht etwas krass aus, Helm, Schutzweste und umgehängte Maschinenpistole um Kinder über die Strasse zu geleiten. Es hat den Anschein einer Propagandaaktion. Umgeben von Agavenfeldern besuchen wir eine Destilliere die Mescalin-Schnaps herstellt. Wir lassen uns berichten, dass die Pflanzen zweimal im Jahr geerntet, zerkleinert und mit Wasser in grossen Tanks vergoren werden. Die anschliessende Destillation und Lagerung beeinflusst die Qualität. Immer noch auf der Mex. 54 kommen wir in die Vororte von Guadalajara, der zweitgrössten Stadt von Mexiko. Die Wohnverhältnisse, Müll und Dreckluft sind unbeschreiblich. Wir sind froh auf der Durchfahrt zu sein und machen uns Gedanken zur bevorstehenden Fussballweltmeisterschaft. Wir hoffen für die Fans, dass sie sich nicht verlaufen und in Ihrer Komfortzone bleiben. Den Moloch streifen wir nur auf dem Weg nach Westen, zu der historischen Stätte Ixtlan. Zweieinhalb Stunden im Stau, da kommen so einige Gedanken hoch und wir fassen den Entschluss, niemals nach Mexico City zu fahren. Für die Weiterfahrt nutzen wir die gebührenpflichtige Autobahn, so erreichen wir unser Ziel noch vor einbrechen der Dunkelheit. Auf dem Parkplatz vor der Anlage dürfen wir stehen und die Gemeindepolizei hält ein Auge auf uns, wird gestenreich versichert.
Dass war eine Nacht, die nicht so schnell vergessen wird! Die Polizei hat ihren Job gut gemacht, es gab keine Störungen durch Menschen. Freilich haben wir übersehen, dass 20 Meter neben dem Parkplatz hinter den Büschen die Eisenbahn vorbei führte. Aus dem Tiefschlaf werden wir um halb eins gerissen als eine Zugkombination durch unser Schlafzimmer röhrte und donnerte, gefühlt (!) Senkrecht stehen wir in den Betten! Das ganze wiederholte sich noch zweimal, dann um sieben geben wir auf und wenden uns der Kultur zu. Ixtlan ist eine kleinere Stätte und gut in einer Stunde zu erwandern. Herausragend der Templo Rotondo, in dem die Gottheit Quetzalcoatl verehrt wurde. Die Stätte ist 300 v.C. erbaut, erweitert und ca. 700 n.C. wieder verlassen worden. Ihren hohen Bekanntheitsgrad erlangte sie durch Grabfunde mit herausragenden Töpfereien. Auf dem Rückweg fahren wir auf Provinzstrasse, der Ruta de Tequila, genau, wie der Schnaps. Natürlich wird in der weiten Umgebung vornehmlich Agaven angepflanzt um den Schnaps herzustellen. Der Ort Tequila hat sich mit Haut und Haaren dem Schnaps verpflichtet. Das ganze Zentrum ist Grundlage einer Schnapswerbung mit dem Siegel der Unesco, Massentourismus pur! Dauernd wird man angesprochen um eine Schnapstour zu unternehmen oder um irgend ein unnützes Zeug zu kaufen. Es ist sauber und so lassen wir uns zu einem Nachmittagskaffee überreden (ohne Schnaps ;-) ). Auf der Ruta de Tequla geht es weiter, wie in Europa, auf einer Weinstrasse. Von Guadalajara werden Touristen in Kleinbussen in die Gegend gefahren. Gleich an der Ausfahrt der Schnellstrasse wird ein nicht unerheblicher Teil der Gäste in einer grossen Destilliere der Verkostung zugeführt. So angefixt, machen viele den Abriss im Ort mit Freuden mit. Unsere Fahrt führt uns in eine grosse Ebene wo sich alles um Zuckerrohr dreht. Auf allen Wegen wird in LKWs das geschnittene Zuckerrohr zu einer qualmenden Fabrik gefahren. Zuckerrohr wird hier abgeerntet wie vor Jahrhunderten. Ist ein Feld reif, wird es ausgebrannt und erst danach geschnitten. Das Schnittgut liegt dann in Maden auf dem Feld, wo sich jetzt die Neuzeit in Form von Hydrauliklader und LKW über die Stängel hermacht. Der Tag beenden wir in Teuchtlan im Balinero Rincon.
Wir wurden angenehm Überrascht, nach Sonnenuntergang gingen die Badegäste nach Hause und die vielen Vögel übernahmen die Geräuschkulisse. Mit einem Vogelkonzert beginnt auch der neue Tag. Um die Ecke besichtigen wir die Ruinen von Guachimontones. Diese wurden über Jahre erforscht und man ist überzeugt, das Geschehen in den letzten 3000 Jahren hier am See gut zu kennen. Für uns ist es eine Stätte mit eindrücklich runden Pyramiden. Das runde scheint den Bewohnern im mystischen Bereich wichtig gewesen zu sein. Es wurden grosse runde Tempel, oder kleinere runde Gräber errichtet. Die Häuser der Bewohner sind eckig erbaut aber ebenfalls im Kreis angeordnet. Ein sehr gutes Museum begleitet in die Vergangenheit, so dass die Figuren fast wieder lebendig werden. Für uns ein gutes Stück mexikanischer Geschichte! Eine dreistündige Fahrt am Nachmittag führt uns auf Udos Farm an die Laguna de Calititilan, 20km südlich des internationalen Flughafens von Guadalajara. Unterwegs sind die Anschläge der vergangenen Unruhen im Land noch deutlich zu erkennen. Verbrannte Reisekoffer am Strassenrand oder abgefackelte Oxxo Kioske bei Tankstellen. Es ist deutlich, es brodelt unter der Oberfläche und man ist froh um eine Oase wie Udos Farm. Das finden auch drei weitere Fahrzeuge die schon vor Ort stehen. Wir geniessen die Aussicht auf den See, das nichts tun und die gute deutsche Küche im Biergarten von Udo. Oh, beinahe vergessen, dass Hefeweizen von Erdinger ;-)
Faulenzen, viel Erlebnisse austauschen, gut Essen, Bericht schreiben, E-Bücher herunterladen, Wäsche waschen, feiner Kuchen geniessen…
Dito und noch ein paar Sachen mehr…










































































































































































































