2026

Nordamerika - 22. Teil - Mexico

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veröffentlicht am

19.04.2026 - 06.05.2026

Nicht die Brise brachte etwas Abkühlung, es war das Unwetter mit viel Regen. Aber rechtzeitig zum Frühstück scheint wieder die Sonne, die ist leider ab 11:00h kaum mehr auszuhalten und wir sind froh um unsere Klimaanlage. Dem Meer entlang kommen wir zügig nach Veracruz. In einer Reise-App haben wir einen Mechaniker mit guten Rezessionen entdeckt, der kann sicher die Bremsbeläge austauschen. Da Veracruz nicht eben ein Dorf ist, nützen wir den ruhigen Sonntag und schauen uns bei dem Mechaniker um. Es ist ein vertrauenserweckendes Viertel. Weiter fahren wir hinaus zum Hafen um die alte spanische Hafenfestung San Juan de Ulua zu besichtigen. 1528 war Baubeginn und sie wurde des öfteren erweitert. Die Festung sollte die Piraten abhalten, denn die grossen Gold- und Silbermengen die von hier nach Spanien verschifft wurden weckten Begehrlichkeiten! Traurige Berühmtheit erlangte auch der Kerker, regelmässig stand das Wasser in den Zellen. Berühmtester Gast im Kerker war der spätere Präsident Benito Juarez. Von 1823 bis 1825 verschanzten sich hier die Königstreuen und schossen Kugeln auf die Stadt. 1914 war es zeitweiliger Regierungssitz. Die Invasoren fremder Staaten mit grossen Flotten konnte aber auch dieses Bollwerk nicht aufhalten. 1837 die Franzosen, 1847 die USA, 1861 Franzosen und Engländer und 1914 wieder die USA. Die Invasoren konnten gar nicht Begreifen, dass Mexiko gerne unabhängig bleiben wollte. Die Sicht auf Mexiko war immer etwas voreingenommen. 1823 gingen die Provinzen Guatemala, Honduras, Nicaragua und El Salvador in die Unabhängigkeit. Im grossen Krieg mit der USA 1846-48 musste Mexiko Texas abtreten und wurde gezwungen Kalifornien, New Mexico und Arizona zu «verkaufen». Gegenüber, in der Bucht von Veracruz am Strand, finden wir einen «Campingplatz» zwischen den Getränkebuden. Es wurde eine erstaunlich ruhige Nacht, unser Geld erreichte wohl die richtigen Leute.

Garagentag. Wir sind früh vor Ort und es wird eine Schadensübersicht erstellt: Stossdämpfer hinten, Bremsbeläge vorne und Dreieckträger vorne oben sind abgenutzt oder beschädigt. Schnell ist Ersatz vor Ort und es wird mit der Reparatur begonnen. Eduardo selber zeigt sich sehr gesprächig und gibt viele Typs, u.a. für den Coco Adventura Campingplatz 20km südlich der Stadt. Am Mittag fährt er uns zu einem bekannten Cafe und Nachmittags mit Therese zur Wäscherei. Es ist schon Nacht als die Arbeiten abgeschlossen sind und wir zum Coco Adventura fahren. Leider muss ich feststellen dass die Arbeiten nicht so toll ausgeführt wurden, das Fahrzeug zieht sehr stark nach links, ungewohnt. Den Cocoplatz müssen wir in der Dunkelheit suchen, sind erleichtert als wir auf den Platz fahren. Siehe da, die Münchner stehen auch vor Ort und so können wir noch etwas klönen. Sie klagen auch über mangelhafte Bremsen, ich denke dass sollte Eduardo machen können. Wir verabreden für morgen eine gemeinsame Fahrt zu ihm.

Das war vielleicht eine feucht heisse Nacht! 27°C und der Ventilator schaufelt noch zusätzliche Meeresluft in das Fahrzeug, alles ist klamm. Wir sind am Morgen nicht richtig ausgeruht. Zusammen mit den Münchner fahren wir in die Stadt. So früh am Morgen ist Eduardo noch nicht vor Ort. Sein Stellvertreter erklärt uns mit Hilfe des Handyübersetzers, dass die Spur immer nach diesen Arbeiten neu eingestellt werden soll. Er gibt uns eine Adresse einer Firma. Da werden wir gleich abgeblockt und zu einer anderen verwiesen. Hier gibt es wieder langes diskutieren, am Ende werden wir abgewiesen weil unser Fahrzeug zu schwer sei. Mit einer neuen Adresse fahren wir los, beinahe wieder zum Ausgangspunkt. Hier haben sie einen Lift der unser Dodgli packt, müssen aber warten bis Personal frei ist. Wir können eine Absprache für Donnerstag um 11:00h machen. Mit langen Gesichtern fahren wir wieder vom Platz und kaufen uns in einem gekühlten Einkaufszentrum den Frust vom Leib… Danach beschliessen wir, zu einem wirklich guten Campingplatz weiter im Norden zu fahren. Die Palmen, das Meeresrauschen und der kühle Pool lässt die Welt schon besser aussehen.

Auf der Fahrt nach Veracruz machen wir einen Abstecher in das Dorf La Antigua. Es liegt etwas von der Küste zurück versetzt an einem Fluss. Hier gingen die Spanier erstmals mit Cortes an Land. Nachdem sie den Ort etwas befestigt haben und sich mit den Indigenen gut verstanden, machte sich Cortes auf seinen Weg nach Tenochtitlan, der Königsstadt der Azteken, im heutigen Mexiko City. Dieser Marsch endete ja mit einem Triumph der Spanier, nicht zuletzt weil es ihnen gelang unzufriedene Volksgruppen zum Sturz der verhassten Azteken zu vereinen. Im Dorf steht die vermutlich älteste Kirche auf dem amerikanischen Festland und ein paar Ruinen, die fälschlich als das Haus von Cortes bezeichnet werden. Deutlich zeigt der Dschungel seine Kraft, die Ruinen scheinen schlechte Karten zu haben. In Veracruz haben wir Glück und können unseren Dodgli direkt beim Marine Museum parkieren. Das Museum ist grossflächig und sehr interessant. Hauptthemen sind natürlich die Geschichte der Marine, die Revolution und die Kriege gegen ausländische Invasoren, die nur gegen die Franzosen ein rühmliches Ende fanden. Nach einem feinen Imbiss in einem Fischrestaurant wenden wir uns den lebenden Fischen zu und besuchen das Aquarium. Es soll das beste in Lateinamerika sein und es ist ein tolles Erlebnis. Um morgen nicht so lange Wege zu fahren, beschliessen wir wieder den Cocostrand zu besuchen.

Leider nimmt die Reparaturgeschichte kein Ende. Bei der Anfahrt zur Garage muss ich eine Notbremsung ausführen um einen Zusammenstoss zu vermeiden. Ein Knall an der Aufhängung lässt Böses ahnen. Als hätten wir einen «Achter» am Rad, schwanken wir die letzten Meter zur Garage. Am Mittag ist der Dodgli endlich auf dem Lift und die Mechaniker schauen sich die Sache an. Der Meister ist nicht begeistert und meint es seien die falschen Teile verbaut. So nehmen wir wieder Kontakt mit Eduardo auf, der bestreitet natürlich alles und fordert uns auf, in seine Garage zurück zu kommen. Also holperi polderi geht es die 1,5km zu seiner Garage. Da hat er schon neue Dreieckträger besorgt und zeigt uns die Dinger im Vergleich zu den alten. Da auch ich keinen Unterschied feststellen kann wird es neu angeschraubt und er fährt mit zu einem Kollegen, der sei ein «Fachmann» zum Ausrichten. Der hat wohl einen speziellen Lift, aber die Ausrichtung der vorderen Räder erfolgt mit Messband, Wasserwaage und Augenmass noch nach fünf Uhr. Nun es ist besser und Fahrbar. Wieder bei Nacht erreichen wir den uns schon gut bekannten Cocostrand.

Frohen Mutes starten wir in den neuen Tag. Beim Brot kaufen bleibe ich leider mit meiner hinteren spezial Kanadastossstange am vorderen Kotflügel eines Ford Focus hängen. Die alte Kiste sieht traurig aus. Hinten fehlt seine halbe Stossstange und die Beulen sind unzählbar, aber der Eigentümer sieht seine Chance für eine umfangreiche Reparatur seines Vehikels. Nach dem langen Verhandeln bleibt zu sagen, das Brot hat einen stolzen Preis… In einem langen Bogen nach Cordaba verlassen wir das glücklose Veracruz. Das Ziel ist, der brutalen Hitze zu entfliehen und einen Blick auf den Pico de Orizaba, den höchsten Vulkan von Mexiko zu werfen. Bei Fortin haben wir die 2000 MüM erreicht und es geht weiter durch die tropischen Berge. Es soll hier Kaffee angepflanzt werden, wir sehen aber fast ausschliesslich Zuckerrohr auf kleinen Feldern angepflanzt. Am Ende einer Schlucht, nahe eines Wasserfalls, finden wir das Ecoturistico Cascada und können nach dem Znacht auf dem Parkplatz stehen bleiben.

Beim Aufstehen registrieren wir heftigen Betrieb um uns. Aufs beste herausgeputzte Indigene steigen aus den unterschiedlichsten Fahrzeugen, mit Kochkesseln, Lebensmitteln und Utensilien. Es wird ein Fest vorbereitet, der Grund für die Aktivitäten ist jedoch unklar. Der Pico de Orizaba ist weiterhin dicht von Wolken behangen und lässt sich nicht sehen. Wir bemühen uns weiter und fahren in einer Traumhaften Landschaft zwischen 2000 und 3000 Meter Höhe durch die Berge. Nach einem Bergdorf führt uns die Strasse extrem steil in ein tiefes Tal. Das Automatikgetriebe kann das Fahrzeug nicht halten und so stehe ich fast dauernd auf der Bremse, bis Rauch und Gestank ein Stoppen erzwingt. In der Aussenseite einer Spitzkehre versuchen wir das Problem zu finden. Das offensichtliche sind die neuen überhitzten Bremsen. Abkühlen lassen und die letzten drei Kurven in den Talgrund mit der Parkbremse fahren erscheint mir das vernünftigste. Mit Bauchgrimmen kommen wir in den Talgrund und «äne wider ufe». Da sehen wir eine Hochzeitgesellschaft von Indigenen, heute ist also Hochzeitstag für viele Pärchen, schön. Wir sind aber froh, im Quinta Santa Anita vor Altotonga anzukommen. Ich nehme mir vor, morgen früh als erstes nochmals nach den Bremsen zu schauen.

Also einen Fehler an den Bremsen finde ich nicht. Aber die Schrauben am oberen Achsschenkel sind lose und es gibt ein bedenkliches Spiel. Langsam aber sicher finden wir uns vom Unvermögen der mexikanischen Mechaniker verarscht! Aber es gibt keine Alternative. So frage ich den Eigentümer vom Platz, ob er eine vertrauenswürdige Garage kennen würde. Er will Telefonieren und mir im lauf des Tages Bescheid geben. Voller Rachegelüste sende ich dem Verursacher Eduardo Bilder der Miesere, er meldete sich nicht mehr. Den Sonntag verbringen wir mit den üblichen Zerstreuungen, Bericht versenden, lesen, etc.. Am späten Nachmittag bekommen wir Bescheid, dass Morgen um neun ein Mechaniker auf dem Platz vorbei kommt. Das bringt uns etwas Zuversicht.

Wir warten auf den Mechaniker. Gegen halb elf taucht er zu dritt auf und sie machen sich vor Ort ein erstes Bild. Man kommt überein, dass wir die 3km zu seiner Bude fahren, um dort dass Fahrzeug vorne richtig anheben zu können. Von unserer Seite ist sehr viel Geduld gefragt! Denn nach der Demontage der Räder ist schnell klar, die verbauten Dreieckträger haben zu klein dimensionierte Bolzen! Also stimmte es doch, Eduardo hatt uns falsche Teile geliefert und verbaut. Man kann sich vorstellen dass wir nicht gerade glücklich ausgeschaut haben. Der Leader der drei findet bei einem Lieferanten in Perote, 40km zurück einen der benötigten Bolzen. Einer geht los um diesen zu holen, der andere demontiert alles notwendige. Nach zwei Stunden ist das Teil da und es wird im Ort in den Träger eingepresst. Nach weiteren eineinhalb Stunden ist die Linke Seite fertig montiert. Der Leader erklärt uns, das der zweite Bolzen morgen in Perote sei und wir um 10:00h die Reparatur fortsetzen können. Wir sind voller Hoffnung und kehren auf den schönen Platz zwischen den Pinien zurück.

Der erste Gang führt uns zu einer Wäscherei im Ort. Danach sind wir pünktlich vor der Garage, ganz alleine. Mit einer Stunde Verspätung macht sich einer der drei an die Arbeit. Zumindest der neue Bolzen ist pünktlich angekommen. Wieder wird mit einfachen Hilfsmitteln versucht, die Räder auszurichten, das gelingt sogar ganz passabel. Der Leader ermahnt uns, so bald wie möglich bei einem «Balanciero» mit moderner Anlage die Stellung der Räder prüfen zu lassen. Nach begleichen der moderaten Rechnung gehen wir Einkaufen und holen unsere Wäsche. Freudig wird uns das Tor zum Pinienplatz für eine weitere Nacht geöffnet.

Wir machen uns früh auf den Weg um im Tiefland die historische Stätte El Tajin zu besuchen. 1900 Höhenmeter geht es hinunter, durch tropische Landschaft mit Kaffe und Bananen. Zum ersten mal sehen wir die Fruchtstände der Bananen in Kunststofffolie gehüllt, ein Zeichen von guter Exportqualität. Im Tiefland ist es wieder extrem feucht und warm, so sind wir intensiv am Schwitzen bei der Wanderung durch die historische Stätte. Die Nischenpyramiden El Tajin war das Zeremonienzentrum für die Totonaken. Erbaut 200 v.C. und genutzt bis ins Jahr 700. Es sind bis heute 168 Bauten bekannt, der Haupttempel ist mit 364 «Fenstern» versehen. Es soll mit der Spitze zusammen die 365 Tage des Jahres präsentieren. Die Tempel waren im original Zustand mit farbigen Verkleidungen versehen. Der grösste Teil der Stätte ist noch von Dschungel bedeckt und das ist gar nicht so schlecht. Nach den zwei Stunden Besichtigung fahren wir in einem grossen Bogen nach Westen, nach Huachingo auf 2000 MüM, wo ein angenehmes Klima eine gute Nacht verspricht.

Ein idyllischer Ort haben wir da gefunden, es hat ein Bach, Enten, Schafe, Pferde und ganz wichtig: Schatten. Nach dem gemütlichen Frühstück machen wir uns auf den Weg durch das weite Altiplano. In einem grösseren Ort fahren wir aus der Kurve gerade aus in eine neue Werkstätte neben der ebenfalls neuen Mobil Tankstelle. Sie haben eine moderne, Computer gesteuerte Vorrichtung zum «Balancieren» (Spur einstellen) der Räder und ganz wichtig, ein Hebelift der unser ca. 3,8 Tonnen schweres Fahrzeug auch stemmen kann. Die drei Profis gehen schnell an die Arbeit und das bringt einen weiteren Pfusch und Defekt ans Licht. Die Penner in Veracruz haben weitere Schrauben vergessen anzuziehen! :-( Der neue Defekt finden sie, weil sich das linke Vorderrad nicht genau einstellen lässt. Das untere Tragelager an der Achsschwinge vorne links ist sehr ausgeschlagen und muss «dringend» ausgewechselt werden. Wir könnten es hier machen lassen, aber müssten in dem Kaff eine Woche ausharren, was uns nicht gefällt. Dodgli ist ein treuer Gefährte und wird uns sicher noch weiter bringen. Im nächsten Autozoom am Weg besorge ich mir eine kleine Fettpresse und genügend Lagerfett, zumindest das wollen wir unserem Gefährt nicht vorenthalten. Die letzte Nacht im April verbringen wir, wieder einmal, im Balinero von Ixmiquilan.

Ein gesetzlicher Feiertag in Mexiko, für die Angestellten der grossen Firmen und Beamten. Alle anderen müssen auch heute um ihre Existenz kämpfen, respektive Arbeiten. Vom LKW Fahrer bis zum Verkäufer oder Scheibenputzer an der Ampel, alle sind sich am abrackern! Vom Besuch der Unesco Stadt Guanajuato sehen wir ab, zu unsicher die Lage, vor allem gibt es für Camper keinen sicheren Platz. Wir wenden uns nach San Miguel de Allende, ebenfalls eine «Silberstadt» mit dem Siegel der Unesco und einem RV Platz nahe des Zentrums. Die Stadt liegt sehr schön, angeschmiegt an zwei Hügel, über einem See und sie ist überladen mit Kirchen und ehemaligen Klöstern. Die Spanier, die sich hier ihren Reichtum zusammenraffen konnten, haben ihr schlechtes Gewissen mit dem Bau von Gotteshäusern beruhigt. Heute sorgen eine grosse Anzahl von Nordamerikanischen Rentnern für einen Immobilien Boom, sie verbringen die kalten Winter hier auf 1600 MüM, im gemässigten Klima.

Die Nacht war alles andere als ruhig. Es wurden wohl alle noch vorhandenen Knallkörper vernichtet. Gegen 3.00h waren auch Schnellfeuerwaffen dabei und das nervige heulen der Einsatzfahrzeuge. Wir liegen hinter dicken Mauern und Türen, aber die Frage und Ausrufzeichen im Kopf schlagen Purzelbäume! Warum hat sich noch keiner der vielen Gelehrten dem Lärm und Krachbedürfnis der Mexikaner angenommen? Hauptsache so laut wie möglich, Knaller, Motoren, Motorbremsen der LKW, Musik und Singen aller Richtungen, immer, ganze Nächte hindurch! Es ist zermürbend! Der Stadtbummel ist ausgedehnt, muss doch auch unserem Körper genügend Energie zugeführt werden. Im ehemaligen Franziskaner Kloster, heute eine Kunstgalerie, kommt den auch der Geist nicht zu kurz.

Wir sind froh wieder unterwegs zu sein, auf einer neuen und Topes freien Strasse nach Dolores Hidalgo. In dieser Stadt hat Pater Miguel Hidalgo am 16. September 1810 die Befreiung Mexikos von Spanien proklamiert. Das gab dem streben nach Selbstständigkeit neuen Aufschwung und war der Anfang eines langen Krieges für die Freiheit. Freiheit für die Wohlhabenden die es satt hatten Steuern an den spanischen König zu senden! Vor dem Einfahren in den Ort steht ein grosses Denkmal das dem denkwürdigen Ereignis versucht Rechnung zu tragen. Gegenüber, vor der neuen Stadtverwaltung ausserhalb der Stadt, nochmals grosse Statue des Padres. Vor der Kirche der heiligen Dolores findet sich eine Kopie der Freiheitsglocke, das Original hat der siegreiche Generalissimo nach Mexiko City ins Parlament verbracht. Zumindest die Statue im zentralen Freiheitspark zeigt gütige Züge, wie sie einem Priester anstehen. Nach dem Anschauen von Dolores Hidalgo geht es weiter zur grossen Nord-Süd Achse Mex 57. etwas abseits, in Mineral de Pozos finden wir Ruhe im schönen Garten der Posada Valerio mit blühenden Kakteen.

Kilometer fressen auf der Mex 57 Norte. Die Landschaft wird einsam, trocken und immer mehr zur Steppe. Sehr viele und unterschiedliche Kakteen und ab und zu Rinder oder Pferde auf der unendlichen Weide. Die wenigen Orte bleiben Unsichtbar, nur Abfahrten mit Namensschildern weisen auf sie. Dann, vor dem aufkommen der Nacht, erleben wir eine Premiere auf unserer Amerika Tour. Übernachten auf der Pemex Tankstelle San Pedro, als Nachbar von ein paar LKWs.

Eintönig geht es weiter über das Altiplano, zeitweilig deutlich über 2000 MüM. Die letzte Nacht auf der Pemex war nicht sehr ruhig. Die Anlage steht zwischen den Spuren Nord-Süd, der Lärm drängte sich von beiden Seiten in unser Schlafzimmer… Bei Saltilla, ein Ort mit sehr grossen, vermutlich nordamerikanischen Industrieanlagen, beginnt ein Megaverkehrsstau der ein fortkommen nur noch im Schritttempo zulässt. Ursache ist das Zusammenkommen der Mex 54 und 57 sowie eine Baustelle genau in dem Bereich. Gott sei Dank biegen die meisten der grossen LKW (auf der Langstrecke haben fast alle zwei Aufleger, 60 Tonnen) ab Richtung Monterrey. Wir bleiben auf der 57er Norte, die jetzt eine «normale» Strasse ist. Das heisst, wenn der Gegenverkehr überholt, ausweichen auf den Pannenstreifen… Monclova, das nächste grosse Revier ist dass Ruhrgebiet im Kleinformat. Fast mitten in der Stadt ein sehr grosses qualmendes Eisenwerk. Im grossen Umfeld wird Kohle abgebaut und auf Züge verladen oder eben direkt vor Ort im Stahlwerk verfeuert. Das Minengeschäft zieht sich nach Norden bis Nueva Rosita, wir lagern uns aber vorher in Sabinas an den gleichnamigen Fluss. Es ist drückend schwül in der Flussniederung und wir bangen für die Nacht. Mit der Dunkelheit ziehen alle Besucher des kleinen Parks ab und wir stehen alleine am Ufer. Es laufen alle Lüfter, sie sollen uns etwas Erleichterung in der Hitze verschaffen. Dann tauchen wir doch ein in die süssen Träume und beide sind wir über die Rufe und das klopfen an die Seitenscheibe mehr verwundert als Erschrocken. Es ist etwas nach 2:00h am Morgen und die Polizei steht vor der Türe. Also Hosen anziehen und die richtigen Worte zusammen kramen. Der Polizist erkundigt sich nach dem Grund warum wir hier stehen, denke ich. Er versteht etwa gleich wenig wie ich. Da kommt seine Kollegin zu Hilfe, sie spricht ein perfektes Englisch, was ich auch nicht so gut kapiere. Aber ich zeige mit den Händen ein schlafender Kopf und sie meint verständnisvoll, ahh Camping? Daumen nach oben und sie wünscht uns eine gute Nacht, was wir freudig annehmen!

Am hellen Morgen machen wir uns zeitig auf den Weg zur Grenze bei Ciudad Acunia. An diesem kleinen Übergang hoffen wir auf weniger Stress. Die Kontrollen auf den letzten Kilometer werden streng aber freundlich durchgeführt, meist wollen sie wissen, ob wir schlechtes zu berichten haben, was wir freundlich verneinen. In der Stadt bemühen wir uns das restliche Bargeld auszugeben. Ist aber nicht einfach, dürfen wir doch keine Lebensmittel über die Grenze bringen. Also gehen wir fein Mittagessen und lassen das Auto schön sauber waschen. Der Leader der Waschtruppe erzählt von 1954, als ein Hochwasser des Rio Grande das weite Umland überschwemmte und seine Familie hart leiden musste… Die allerletzten Peso wechselt mir dann eine Bank und dann geht es zur Grenzabfertigung. Die Ausreise wird recht zügig in den Pass gestempelt und das Touristenpapier eingezogen. Aber was passiert mit den Autopapieren?! Keiner scheint es zu wissen, also anstehen beim für Fahrzeuge zuständigen Schalter und warten. Es geht schleppend voran, in diesem Tempo sind wir gefühlt nächste Woche noch hier am Warten. Als ein zweiter Mensch hinter dem Schalter auftaucht prescht Theres aus der Reihe und fragt freundlich aber bestimmt was den nun mit unserer Erlaubnis für Mexiko sei, ob sie diese einziehen oder wie? Scheint eine berechtigte Frage zu sein und es braucht wieder seine Zeit bis der Bescheid kommt das Papier zu behalten, vielleicht würden wir ja wieder einmal nach Mexiko einreisen, vielleicht… Danach geht es endlich auf die Internationale Brücke, über den Rio Grande in die USA.

Kilometerstand 222'440